Heidelberg kippt Sparplan für Buslinie 37
Auf der Linie 37 in Ziegelhausen spart die Stadt nur 80.000 statt beschlossener 300.000 Euro im Jahr, weil sich Anwohner schlechter angebunden fühlen
Was ist passiert?
Ziegelhausen liegt am Rand von Heidelberg. Wegen der Topografie des Stadtteils sind die zentralen Bereiche mit Auto und Bus gleichermaßen wichtig zu erreichen. Die Buslinie 37 bedient ihn. Im ÖPNV-Sparpaket II beschloss der Gemeinderat, den Linienweg zu verkürzen und dafür an der Neckarschule eine Buswendemöglichkeit zu bauen. Die Maßnahme sollte 300.000 Euro im Jahr einsparen.
Die Verwaltung erarbeitete ein Konzept und stellte es im Juni und Juli 2026 im Bezirksbeirat und im Ausschuss vor. Ihr Fazit: Die Wendestelle ist fachlich umsetzbar, die Schulwegsicherheit bleibt gewährleistet. Aus dem Stadtteil kamen dennoch zahlreiche kritische Rückmeldungen. Sie betrafen die wegfallenden Stellplätze auf dem Parkplatz der Schule und die, wie es in der Vorlage heißt, „subjektiv wahrgenommene“ schlechtere Anbindung Peterstals. Dass die Nachteile vor allem gefühlt seien, räumt die Verwaltung damit selbst ein.
Als Ausweg haben Stadt und Verkehrsunternehmen rnv zwei andere Maßnahmen entwickelt, die ohne Wendestelle auskommen. Maßnahme A, ein durchgehender 60-Minuten-Takt zwischen Heidebuckelweg und Sportzentrum Nord, würde das Defizit um 220.000 Euro im Jahr senken. Dafür reichten die Kapazitäten häufig nicht aus, weshalb die Verwaltung sie nicht empfiehlt. Empfohlen wird Maßnahme B: ein ausgedünnter Takt nur am Tagesrand, vor allem nach 19 Uhr. Sie bringt 80.000 Euro im Jahr.
Damit erreicht die Stadt gut ein Viertel der beschlossenen Ersparnis (80.000 von 300.000 Euro, also 26,7 Prozent). Die Differenz von 220.000 Euro, gut 18.000 Euro im Monat, erhöht das geplante Defizit der rnv. Entschieden werden soll bei den Haushaltsberatungen, die Gremien tagen noch bis zum 18. November 2026.
Kritik
Eine fachlich umsetzbare und sichere Maßnahme wird wegen eines Eindrucks im Stadtteil aufgegeben, und das kostet jedes Jahr 220.000 Euro. Wenn der Gemeinderat ein Sparpaket beschließt, muss er auch dazu stehen und darf die Hauptlast nicht über den Zuschuss an die rnv an alle Steuerzahler weiterreichen. Wer Sorgen um Parkplätze und Anbindung ernst nimmt, sollte dafür gezielte Lösungen suchen, etwa Ersatzstellplätze, statt die Einsparung fast vollständig zu opfern. Eine Entlastung des Haushalts wird zugesagt und dann zu drei Vierteln wieder zurückgenommen.
0129/2026/KV: Sachstand zur Buswendestelle Neckarschule und Vorstellung Alternativmaßnahmen Linie 37, Ratsinformationssystem der Stadt Heidelberg, 21. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.