Staatsbilanz

Stadt/Heidelberg/Kostensteigerung

Heidelberger Stadthalle: 5 Millionen mehr

Die Sanierung der Stadthalle in Heidelberg kostet 62 statt 57 Millionen Euro, die fehlenden 5 Millionen finanziert die Stiftung mit einem Kredit

Was ist passiert?

Die Heidelberger Stadthalle wird saniert. Die Maßnahme läuft über die Theater- und Orchesterstiftung Heidelberg, für die der Haupt- und Finanzausschuss des Gemeinderats als zuständiges Organ entscheidet. Im Januar 2024 hob er die Maßnahmengenehmigung auf 57 Mio. Euro an. Diese Summe war nach Angaben der Verwaltung vollständig durch eine Zuwendung gedeckt, die Stiftung musste dafür also kein eigenes Geld aufbringen.

Das hat sich geändert. Die aktuelle Kostenprognose liegt bei rund 62 Mio. Euro netto. Die Stadt nennt als Gründe Änderungen, die erst im Bauablauf erkennbar wurden oder mit Denkmalpflege und Architekt anders umgesetzt werden mussten als geplant, außerdem eine „alternativlose“ zusätzliche statische Stützung des Oberrangs. Schon früher war vereinbart worden, dass bei Bedarf bis zu zehn Prozent über die 57 Mio. Euro hinaus bereitgestellt werden können. Das wären 5,7 Mio. Euro. Die nun veranschlagten 5 Mio. Euro entsprechen etwa 8,8 Prozent (5 : 57) und schöpfen diesen Puffer damit fast vollständig aus.

Da für die Mehrkosten keine Zuwendung mehr zur Verfügung steht, soll die Stiftung einen Investitionskredit über 5 Mio. Euro aufnehmen. Im Nachtragshaushalt 2026 steigen die Auszahlungen für die Baumaßnahme dadurch von 3,386 Mio. auf 8,386 Mio. Euro, das ist das 2,5-Fache (8,386 : 3,386). Die Vorlage nennt zu den laufenden Kreditkosten keinen Betrag.

Die Sitzung am 8. Juli 2026 setzte der Ausschuss vor Eintritt in die Tagesordnung ab. Am 23. Juli 2026 beschloss er die Kreditermächtigung bei zwei Enthaltungen. Der Oberbürgermeister betonte, es gehe nur um eine Zwischenfinanzierung und nicht darum, die Maßnahme inhaltlich neu zu finanzieren. Eine Übersicht über die Gesamtkosten soll erst nachgeliefert werden, also nach dem Beschluss.

Kritik

Eine Sanierung, die laut Verwaltung zum größten Teil abgeschlossen ist, braucht plötzlich 5 Mio. Euro mehr, die niemand eingeplant hat. Dass der vereinbarte Zehn-Prozent-Puffer fast voll ausgeschöpft wird, zeigt, dass Überschreitungen bei einem denkmalgeschützten Bau von Anfang an einkalkuliert werden mussten. Ein Kredit für Mehrkosten, die zuvor als vollständig gedeckt galten, hätte erst nach einer belastbaren Gesamtkostenübersicht genehmigt werden dürfen und nicht schon vorher. Bei künftigen Sanierungen im Bestand gehören ehrliche Risikoreserven in die ursprüngliche Kalkulation, damit am Ende nicht die Stiftung die Rechnung per Kredit begleichen muss.

0162/2026/BV: Theater- und Orchesterstiftung Nachtragshaushaltssatzung 2026, Ratsinformationssystem der Stadt Heidelberg, 8. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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