Frankfurt zahlt 1,2 Millionen Euro für Kunstnetz
Frankfurt hängt auf der Konstablerwache ein Kunstnetz für mindestens 1,2 Millionen Euro auf, zunächst nur drei Jahre und ohne Wettbewerb
Was ist passiert?
Im Jahr der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 will die Stadt ihre Innenstadt aufwerten. Auf der Konstablerwache soll die Netzskulptur „A Sky Full of Hope“ der Künstlerin Janet Echelman die Aufenthaltsqualität verbessern. Das Kunstwerk hängt dort bereits.
Das Geld stammt aus mehreren Töpfen. Im Nachtragshaushalt 2025 hatte die Stadt 2.301.000 Euro für eine „Innenstadtilluminierung“ vorgesehen, ohne einzelne Teilprojekte festzulegen. Davon flossen 1,2 Millionen Euro aus investiven Mitteln des Jahres 2024 in die Netzskulptur, das ist gut die Hälfte des Betrags (1,2 Mio. von 2,301 Mio. Euro). Hinzu kommen Mittel aus dem Programm „Initiative Innenstadt“, deren Höhe nicht bekannt ist. Die Künstlerin und das Atelier Markgraph erhielten den Auftrag im Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb. Andere Anbieter konnten sich also gar nicht erst bewerben.
Genutzt wird die Skulptur zunächst für drei Jahre. Allein die 1,2 Millionen Euro ergeben damit 400.000 Euro im Jahr, umgerechnet etwa 1.100 Euro pro Tag (1.200.000 Euro geteilt durch 3 × 365 Tage). Die tatsächlichen Gesamtkosten liegen darüber, denn weitere Mittel kommen hinzu. Wie hoch sie am Ende ausfallen und woran die Stadt den Erfolg messen will, ist laut einer Anfrage der FDP im Landtag weiter offen. Die Landesregierung hatte zuvor erklärt, keine Landesmittel beizutragen und über die Medienberichte hinaus nichts zu wissen.
Auch am Netz selbst gab es Ärger. Am 18. August und am 12. Oktober 2026 musste die Feuerwehr jeweils einen Vogel daraus befreien. Die Stadt sieht dennoch unter Berufung auf fachliche Einschätzungen keine unmittelbare Gefahr für Vögel. Wer zusätzliche Schutzmaßnahmen bezahlen müsste, falls sie nötig würden, ist ebenfalls ungeklärt.
Kritik
Investive Mittel sollen Werte schaffen, die bleiben, hier aber wurde mindestens 1,2 Millionen Euro für eine Nutzung von zunächst drei Jahren ausgegeben. Dass der Auftrag ohne Teilnahmewettbewerb vergeben wurde, schließt andere Anbieter und mögliche günstigere Lösungen von vornherein aus. Eine Stadt sollte vor einer solchen Ausgabe die Gesamtkosten beziffern und festlegen, woran sich der Erfolg messen lässt. Ein Prestigeprojekt zum Designjahr rechtfertigt es nicht, diese Fragen erst im Nachhinein zu klären.
Drucksache 21/5378: Kleine Anfrage, Landtag Hessen, 16. Oktober 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.