104 Millionen für Leipzigs alte Markthalle
Der Umbau der Großmarkthalle in Leipzig soll bis zu 104 Millionen Euro kosten, doch nur 6,85 Millionen sind gesichert
Was ist passiert?
Der Kohlrabizirkus wurde 1927 bis 1929 als Großmarkthalle gebaut. Seine zwei Stahlbetonkuppeln waren bei der Fertigstellung die größten der Welt. Seit 2018 läuft in der Südhalle der Eiszirkus. 2021 kaufte die Stadt Leipzig das denkmalgeschützte Gebäude und übertrug es ihrer Tochtergesellschaft LEVG. Die soll daraus ein Zentrum für Kultur, Sport und Freizeit machen.
Nun liegt das Nutzungskonzept vor, und es hat Format. Ein Basispaket, das den Bau erst vollvermietbar macht, soll rund 29 Mio. Euro kosten. Der Ausbau für die einzelnen Mieter soll weitere rund 60 Mio. Euro erfordern. Für Trockenlegung und neue Leitungen kommen nochmals 10 bis 15 Mio. Euro hinzu. Zusammen sind das 99 bis 104 Mio. Euro (29 + 60 + 10 bis 15).
Gesichert sind bisher 6,85 Mio. Euro, nämlich 1,45 Mio. Euro Denkmalfördermittel und 5,4 Mio. Euro Einlagen der Gesellschafterin. Das sind knapp 7 % der Gesamtsumme (6,85 von 99). Weitere 0,85 Mio. Euro sind beantragt. Eine Kredittranche von bis zu 22 Mio. Euro wurde lediglich „in Aussicht gestellt“, und zwar abhängig vom Vermietungserfolg. Den Rest sollen künftige Mieteinnahmen, Kredite und Baukostenzuschüsse der Mieter tragen.
Doch die Vermietung hinkt hinterher. Von 39.800 Quadratmetern sind rund 14.000 vermietet, also 35 %. Davon entfallen 8.250 Quadratmeter auf den Eiszirkus, und der ist auf kommunale Zuschüsse angewiesen. Ohne Zuschüsse sind erst 5.750 Quadratmeter vermietet (14.000 minus 8.250), gut 14 % der Fläche.
Die Verwaltung beteuert, über die bereits geflossenen Mittel hinaus brauche die LEVG keine Zuschüsse. Mieter sollten marktübliche Preise zahlen und nötige Zuwendungen selbst besorgen. Dieselbe Vorlage räumt aber ein, dass Bürgschaften, weitere Einlagen oder Darlehen der Stadt den Prozess beschleunigen könnten. Fallen Finanzierungsbausteine aus, verlängert sich die Umsetzung. Ohnehin ist mit 10 bis 15 Jahren zu rechnen.
Kritik
Ein Vorhaben von bis zu 104 Mio. Euro, von dem knapp 7 % finanziert sind, ist kein Konzept, sondern eine Wette auf Mieter, die noch nicht unterschrieben haben. Wenn schon heute mehr als die Hälfte der vermieteten Fläche an einen Betrieb geht, der kommunale Zuschüsse braucht, ist das Versprechen eines Umbaus ohne öffentliche Mittel wenig glaubwürdig. Am Ende haftet die Stadt als Eigentümerin ihrer Tochter für jedes Loch in der Rechnung. Sinnvoll wäre, nur die Bausteine anzugehen, für die ein unterschriebener Mietvertrag und eine verbindliche Finanzierung vorliegen, und der Öffentlichkeit offen zu sagen, was die Stadt bei einem Scheitern zuschießen müsste.
2024175: Nutzungskonzept Kohlrabizirkus, Ratsinformationssystem der Stadt Leipzig, 22. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.