990.000 Euro für Fan-Fest und Festessen
Leipzig zahlt 990.000 Euro für ein Fan-Fest und ein Dinner für Funktionäre zum Finale der Conference League, die Einzelposten sind geheim
Was ist passiert?
Leipzig, eine Stadt mit über 620.000 Einwohnern, ist im Mai 2026 Gastgeber des Finales der UEFA Conference League. Das Spiel soll am 27. Mai in der Red Bull Arena stattfinden. Um den Zuschlag zu bekommen, hat die Stadt mit UEFA und DFB Verträge geschlossen, in denen sie sich zu einem Rahmenprogramm verpflichtet.
Dazu gehört ein Fan Festival auf dem Marktplatz vom 25. bis 27. Mai. Dazu gehört außerdem eine „Celebration Party“, ein gesetztes Dinner der UEFA Familie am Abend vor dem Finale. Die Stadt muss dafür nicht nur Planung und Betrieb stemmen, sondern laut Vorlage auch „alle mit dem Projekt verbundenen Kosten“ tragen. Ausgenommen ist ein Beitrag der UEFA, dessen Höhe die Vorlage nicht nennt.
Die Ratsversammlung sollte am 28. Januar 2026 deshalb 990.000 Euro brutto (831.932,77 Euro netto zuzüglich Mehrwertsteuer) bereitstellen. Das Geld soll per Inhouse-Vergabe an die stadteigene Leipziger Messe GmbH gehen. Sie soll das Festival technisch umsetzen und durchführen. Für das Dinner soll sie die Kongresshalle am Zoo samt Auf- und Abbautagen mieten, Blumenschmuck beschaffen und sich um Menü und Service kümmern. Rechnerisch kostet das Programm 330.000 Euro je Festivaltag (990.000 Euro geteilt durch drei Tage), wobei Aufbauzeiten und das Dinner mit eingerechnet sind.
Wie sich die Summe auf Festival und Dinner verteilt, bleibt im Dunkeln. Die Kostenübersichten zur Halle und das Angebot eines Caterers zum Dinner liegen in nichtöffentlichen Anlagen. Die Stadt begründet das mit laufenden Verhandlungen mit der Messe: Eine öffentliche Auswertung der Kostenpositionen würde ihre Ausgangsposition schwächen. Als Rechtfertigung für die Ausgabe führt sie an, ein Nein hätte den Verlust des Host City Status und Unterlassungsklagen der UEFA zur Folge. Die Stadt wirbt außerdem mit Imagegewinn und weiteren Bewerbungen um Großveranstaltungen. Das ist die Sicht der Verwaltung, belegt wird sie in der Vorlage nicht.
Kritik
Ein Fan Festival mag man als Angebot für die Bürger noch vertreten, ein gesetztes Dinner für die UEFA Familie mit Hallenmiete, Blumenschmuck und Menü gehört dagegen nicht in den Haushalt einer Stadt, die Geld für Bürger braucht. Wer sich ein solches Dinner in den Vertrag schreiben lässt, hätte dafür die UEFA zahlen lassen müssen, die an dem Finale verdient. Zumindest hätte die Stadt Festival und Dinner getrennt ausweisen müssen, damit Bürger sehen, wofür fast eine Million Euro ausgegeben wird. Eine Auszahlung in dieser Höhe an eine stadteigene Gesellschaft ohne sichtbare Einzelposten ist keine Ausgabe, die man guten Gewissens als zwingend bezeichnen kann.
2027494: Vertrag zwischen Stadt Leipzig und Leipziger Messe GmbH über Zusammenarbeit zur Planung und Durchführung von Rahmenveranstaltungen im Rahmen des Finales der UEFA Conference League 2026 in Leipzig, Ratsinformationssystem der Stadt Leipzig, 28. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.