Staatsbilanz

Stadt/Leipzig/Folgekosten

Gewandhaus Leipzig: 2 Millionen Euro Minus

Leipzig zahlt dem Gewandhaus 2026 Zuschüsse nach einer Rechnung von 2015, obwohl Energie bis zu 61 Prozent teurer wurde: knapp 2 Millionen Euro Loch

Was ist passiert?

Das Gewandhausorchester ist über 275 Jahre alt und genießt nach Darstellung der Stadt weltweit höchstes Ansehen. Betrieben wird das Haus als städtischer Eigenbetrieb, der 2026 rund 25,6 Mio. Euro Zuweisungen aus dem Haushalt der Stadt Leipzig erhalten soll.

Trotzdem weist der Wirtschaftsplan für 2026 einen Fehlbetrag von 1,995 Mio. Euro aus (Erträge 52,763 Mio., Aufwendungen 54,759 Mio. Euro). Geteilt durch die 258 entgeltlichen Eigenveranstaltungen sind das rund 7.700 Euro Minus pro Konzert (1.995.000 : 258). Es bleibt nicht bei einem schwachen Jahr: Bis 2029 werden jährlich Verluste von über 2 Mio. Euro erwartet. Am Ende stünde ein Verlustvortrag von 7,4 Mio. Euro, das Eigenkapital schmölze von 15,1 auf 3,3 Mio. Euro, und die Liquidität läge 2029 bei minus 1,68 Mio. Euro. Ab 2028 könnte sogar ein Kassenkredit von 3 Mio. Euro nötig werden.

Die Ursache nennt der Plan selbst: Die Zuweisungen beruhen im Wesentlichen auf einer Kalkulation von 2015 und wurden nur in einzelnen Bereichen angepasst. Seither stiegen die Kosten für Energie und Wasser um 54 Prozent, für den Besucherservice um 61 Prozent und für IT um 60 Prozent. Eine umfassende Nachkalkulation gab es bislang nicht. Immerhin gewährte die Stadt einen Ausgleich von 500.000 Euro für das strukturelle Defizit. Der deckt aber nur ein Viertel des geplanten Fehlbetrags (500 : 1.995) und gilt laut Plan selbst als nicht auskömmlich.

Der Stadtrat soll am 25. März 2026 beschließen, den erwarteten Fehlbetrag von 1,645 Mio. Euro unterjährig auszugleichen. Dazu kommen überplanmäßige 3,14 Mio. Euro für den Tarifausgleich, die laut Vorlage nur über einen Kassenkredit zu stemmen sind. Gleichzeitig soll das Haus 2026 einen Konsolidierungsbeitrag von 230.000 Euro leisten, unter anderem indem dringende Sanierungsmaßnahmen am Gebäude verschoben werden. Künftig, so die Verwaltung, müsse einer neuen Finanzierungsvereinbarung eine neue Kalkulation zugrunde liegen. Das klingt vernünftig, nur kommt die Einsicht nach zehn Jahren Kostensteigerung.

Kritik

Wer einem Betrieb zehn Jahre lang Zuschüsse nach einer Rechnung von 2015 zahlt, obwohl Energie, Service und IT um 40 bis 61 Prozent teurer wurden, programmiert die Defizite selbst. Die Löcher werden dann Jahr für Jahr mit Verlustausgleichen und Kassenkrediten gestopft, statt den Zuschuss ehrlich zu berechnen. Dass zugleich dringende Gebäudesanierungen aufgeschoben werden, verlagert Kosten nur in die Zukunft und macht sie meist größer. Die Nachkalkulation hätte die Stadt längst in Auftrag geben müssen, bevor der Fehlbetrag zur Dauereinrichtung wurde.

2027883: Wirtschaftsplan 2026 für den Eigenbetrieb Gewandhaus zu Leipzig, Ratsinformationssystem der Stadt Leipzig, 25. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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