Staatsbilanz

Stadt/Leipzig/Folgekosten

Leipzig: 5 Mio. Euro für Eishalle ohne Wettbewerb

Leipzig zahlt für die Eishalle in der alten Messehalle bis 2030 gut 5 Mio. Euro Zuschuss, obwohl sich nur eine Firma bewarb

Was ist passiert?

Der Kohlrabizirkus ist eine alte Messehalle mit zwei Kuppeln im Süden Leipzigs. Die Stadt kaufte das Gelände für 11,5 Mio. Euro zuzüglich rund 550.000 Euro Nebenkosten und begründete das ausdrücklich damit, dass eine Kuppel als Eishalle dienen soll. Dort trainieren der Leipziger Eissport-Club und die Eishockeymannschaft IceFighters, dazu gibt es öffentliches Eislaufen. Dass eine Eishalle grundsätzlich Verluste macht, räumt die Verwaltung selbst ein.

Seit 2022 zahlt die Stadt deshalb Zuschüsse. Bis Juni 2026 kamen so rund 4,95 Mio. Euro zusammen (670.000 + 1.162.418 + 1.232.891 + 588.127 + 1.292.443 Euro), das sind in viereinhalb Jahren gut 1,1 Mio. Euro jährlich. Nun sollen für Juli 2026 bis Juni 2030 weitere rund 5,03 Mio. Euro folgen, also etwa 1,26 Mio. Euro pro Jahr. Empfängerin ist die Eiszirkus Leipzig GmbH. Sie war bei der europaweiten Ausschreibung die einzige Bewerberin. Drei ihrer sechs Gesellschafter sind laut Angebot zugleich an der IceFighters GmbH beteiligt, die als Untermieter in der Halle spielt.

Der Betreiber zahlt anfänglich 55.158,87 Euro Kaltmiete und 21.143,18 Euro Nebenkostenpauschale im Monat, zusammen 76.302,05 Euro oder rund 916.000 Euro im Jahr. Das fließt an die städtische Vermieterin LEVG. Gut 70 Prozent des Zuschusses von 1,28 Mio. Euro für 2027 gehen damit rechnerisch als Miete in die Stadtfamilie zurück.

Dazu kommt der Zustand der Halle. Die Eisfläche schädigt laut Vorlage den Boden darunter und ist nur noch bis Juni 2028 vertretbar. Spätestens 2029 ist für die Oberliga eine flexible Bande Pflicht. Die LEVG will deshalb in dieser Zeit 6,25 Mio. Euro investieren und nimmt dafür ein Darlehen auf, für das die Stadt mit 5,0 Mio. Euro bürgt. Ob und wann Fördermittel fließen, ist offen. Wie hoch das Entgelt für die Bürgschaft ausfällt, soll der Finanzausschuss erst später erfahren. Ohne Bürgschaft endet der Eisbetrieb 2028, so die Verwaltung. Einen Neubau für rund 25 Mio. Euro hält sie nicht für finanzierbar.

Kritik

Die Stadt hat eine Halle gekauft, deren Eisanlage nach wenigen Jahren den Boden schädigt, und zahlt nun Zuschuss und Bürgschaft zugleich. Ein Zuschuss von über 5 Mio. Euro an eine einzige Bewerberin, deren Gesellschafter auch an ihrem Hauptmieter beteiligt sind, ist kein Ergebnis eines echten Wettbewerbs. Dass rund 70 Prozent davon rechnerisch als Miete bei der städtischen Tochter landen, zeigt, wie sehr hier Geld in der eigenen Familie kreist. Die Stadt sollte Betrieb und Sanierung als Gesamtkosten sehen, den Zuschuss strikt an den Nachweis des Bedarfs koppeln und für die Bürgschaft erst die Förderzusagen abwarten, statt das Ausfallrisiko vorab zu übernehmen.

2030198: Bestätigung eines Betriebskostenzuschusses für die Betreibung des "Kohlrabizirkus" im Zeitraum 01.07.2026 bis 31.12.2030 und Ausreichung einer Ausfallbürgschaft zur Sicherung notwendiger Investitionskosten., Ratsinformationssystem der Stadt Leipzig, 1. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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