Leipzig zahlt Literaturhaus auf Pump
Weil das Geld des Literaturhaus-Vereins aufgebraucht ist, soll die Stadt ab 2027 jährlich 205.000 Euro geben, finanziert durch neue Schulden
Was ist passiert?
Leipzig versteht sich als Buchstadt, mit Buchmesse, Nationalbibliothek, Literaturinstitut und Städtischen Bibliotheken. Im Haus des Buches veranstaltet das Literaturhaus Leipzig e. V. Lesungen und Ausstellungen. Der Verein wurde 1990 unter dem Namen Kuratorium Haus des Buches gegründet und erhielt 30 Millionen DDR-Mark Startkapital, nach der Währungsumstellung rund 15 Millionen DM.
Davon floss ein großer Teil in Beton und Fläche: Acht Millionen DM zahlte der Verein vorab als Miete für 20 Jahre, von 1996 bis 2016. Danach fielen die Räume an den Börsenverein zurück, seither nutzt der Verein nur noch drei Büroräume. Den Rest des Vermögens verbrauchte er über Jahre für den laufenden Betrieb. Ende 2025 waren noch 548.878 Euro übrig, bei jährlichen Kosten von 280.000 Euro. Ohne Hilfe läge das Vermögen Ende 2027 bei minus 11.000 Euro.
Deshalb soll die Stadt nun einspringen: Ab 2027 sollen 205.000 Euro jährlich als institutionelle Förderung fließen. Das Geld kann laut Vorlage nur über einen Kassenkredit beschafft werden, die Stadt erhöht damit also ihr Defizit. Bemerkenswert: Schon 2015/16 hatte der Verein um Förderung gebeten und eine Absage erhalten, weil sein Vermögen dem Grundsatz widersprach, dass erst eigene Mittel einzusetzen sind. Dieses Hindernis ist inzwischen aufgebraucht.
Die Verwaltung nennt die Förderung zwingend: Das Literaturhaus sei ein wesentlicher Teil der Buchstadt, ohne Beschluss müsse es 2027 oder spätestens 2028 schließen. Zur Einordnung: 2025 gab es 167 Veranstaltungen mit über 13.000 Besuchern. Die 205.000 Euro entsprechen damit rund 16 Euro je Besucher (205.000 geteilt durch 13.000) oder etwa 1.230 Euro je Veranstaltung (205.000 geteilt durch 167). Und es bleibt nicht dabei: Die städtische Summe deckt den Bedarf nicht vollständig, ab 2029 muss der Verein zusätzliche Mittel einwerben. Die Ratsversammlung sollte am 29. April 2026 entscheiden.
Kritik
Wer den Betrieb eines Vereins dauerhaft auf Pump bezahlt, schafft eine Daueraufgabe, die jedes Jahr neu Schulden erzeugt. Die Stadt hätte den Verein früher zu einem tragfähigen Finanzierungsplan mit Eigenanteil und Drittmitteln verpflichten müssen, statt zuzusehen, wie 15 Millionen DM Gründungskapital verbraucht werden. Eine Förderung sollte befristet und an messbare Einnahmeziele geknüpft sein, zumal die Vorlage selbst einräumt, dass die 205.000 Euro nicht reichen. Kultur darf etwas kosten, aber nicht mit dem Kassenkredit als Dauerfinanzierung.
2024747: Aufnahme des Literaturhauses Leipzig e. V. in die institutionelle Förderung ab 2027, Ratsinformationssystem der Stadt Leipzig, 29. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.