Leipziger Klinik: 2,7 Mio. Euro Mehrkosten
Am Klinikum St. Georg in Leipzig kosten neue Rohre und Straßen 6,4 statt 3,7 Millionen Euro, weil im Boden unbekannte alte Gänge liegen
Was ist passiert?
Das Klinikum St. Georg in Leipzig-Eutritzsch ist ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung. Der Standort besteht aus über 40 Gebäuden und ging 1913 in Betrieb. Die Gebäude gehören dem städtischen Eigenbetrieb Klinikum „St. Georg“ und sind an die Klinikum St. Georg gGmbH verpachtet. Leitungen, Straßen und Versorgungstunnel sind nach Angaben der Stadt über 100 Jahre alt und am Ende ihrer Nutzungszeit. Seit 2023 wird die Infrastruktur deshalb in zwei Schritten erneuert. Für das Gesamtprojekt kalkulierte man damals rund 15 Mio. Euro.
Nun soll allein der zweite Schritt 6,4 statt der in der Wirtschaftsplanung angesetzten 3,7 Mio. Euro kosten. Das sind 6.435 statt 3.672 TEUR, also 2.763 TEUR oder rund 75 Prozent mehr. Die Gesamtkosten steigen damit auf 17,7 Mio. Euro, 18 Prozent über der Kalkulation von 2023. Als Gründe nennt die Verwaltung, was im Boden eines mehr als hundert Jahre alten Klinikgeländes eben so liegt: bisher unbekannte Versorgungstunnel, die abgebrochen werden müssen, Altleitungen und Bauschutt, nicht eingemessene Leitungswege und eine Bestandsstraße ohne Unterbau. Hinzu kommt eine Haupttrinkwasserleitung, die in vier Metern Tiefe gebohrt werden soll. Die zusätzlichen Maßnahmen seien bei der Wirtschaftsplanung nicht absehbar gewesen. Allein die Außen- und Freianlagen machen mit 5,7 Mio. Euro gut 88 Prozent der Kosten des zweiten Schritts aus (5.675 von 6.436 TEUR).
Bezahlt werden soll alles über Kredite. Die Zinsen betragen anfangs bis zu 200 TEUR im Jahr, das sind rund 550 Euro pro Tag (200.000 Euro geteilt durch 365). Sie soll die gGmbH übernehmen, weil der Pachtvertrag das nicht vorsieht. Dafür ist eine eigene Vereinbarung nötig, die auf beiden Seiten dieselben zwei Personen unterzeichnen sollen. Eine zeitliche Streckung der Arbeiten lehnt das Klinikum ab. Ob die Ratsversammlung am 25.02.2026 zugestimmt hat, ist nicht bekannt.
Kritik
Wer auf einem über hundertjährigen Gelände mit über 40 Gebäuden baut, muss mit unbekannten Tunneln, nicht eingemessenen Leitungen und schlechtem Untergrund rechnen. Dass der Eigenbetrieb diese Risiken weder genau erkundet noch mit einem Puffer eingeplant hat, ist ein Planungsfehler und keine Überraschung. Eine Kostensteigerung um drei Viertel in einem einzigen Bauabschnitt zeigt, wie unseriös die ursprüngliche Zahl war. Vor dem Baubeginn hätten Bestand und Untergrund gründlich untersucht und die Kosten mit realistischen Reserven angesetzt werden müssen.
2027608: Bau und Finanzierung von Infrastrukturmaßnahmen (2. Projektschritt) auf der Liegenschaft Delitzscher Straße 141 durch den Städtischen Eigenbetrieb Klinikum „St. Georg“ Leipzig, Ratsinformationssystem der Stadt Leipzig, 15. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.