Straßenbau in Leipzig 2,4 Millionen teurer
Die Landsberger Straße in Leipzig kostet 5,8 statt 3,4 Millionen Euro, obwohl ein Gutachten die Probleme mit Baumwurzeln vorhersagte
Was ist passiert?
Im Norden der Stadt wurde die Landsberger Straße zwischen Coppiplatz und Hans-Oster-Straße erneuert. Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) führten die Maßnahme aus und erledigten dabei im Auftrag der Stadt auch Arbeiten an städtischen Anlagen wie Fahrbahn, Borden und Ampeln. Die Stadt zahlt ihren Anteil.
Der Stadtrat hatte dafür im November 2022 Gesamtkosten von 3,4 Mio. Euro beschlossen. Im Oktober 2023 hob der Verwaltungsausschuss die Summe pauschal um 30 Prozent auf 4.418.700 Euro an, mit Verweis auf die Marktlage. Das Ausschreibungsergebnis lag mit 4.688.308 Euro noch einmal 6,1 Prozent darüber, blieb aber unter der Schwelle von 10 Prozent, ab der neu entschieden werden muss. Damit war die Vergabe unproblematisch, so die Verwaltung.
Doch im Bauverlauf kam vieles hinzu. Für die Bestandsbäume gab es zwar ein detailliertes Gutachten, das Konflikte mit den Wurzeln vorhersagte. Trotzdem schlugen Baubegleitung, Stahlkanten als Bordersatz, Zugversuche, zusätzliche Fällungen und Neupflanzungen mit rund 175.000 Euro zu Buche. Am Viertelsweg war für die Stadt eigentlich nichts vorgesehen, nun musste die Fahrbahn von Bord zu Bord erneuert werden (114.000 Euro). Bei den Ampeln stellte sich heraus, dass alle Kabel verschlissen waren, und die vorgesehene Verrohrung musste komplett neu verlegt werden (rund 178.800 Euro). Größter Einzelposten sind Baunebenkosten von 285.274 Euro, die laut Vorlage nicht absehbar gewesen sein sollen.
Am 25. April 2025 wurde die Straße freigegeben. Am Ende stehen 5.806.550 Euro, 1.387.850 Euro mehr als zuletzt beschlossen und 2,4 Mio. Euro mehr als 2022 (5,81 Mio. minus 3,4 Mio.). Die Stadt hatte 2024 und 2025 bereits 1.119.650 Euro über den Plan hinaus ausgezahlt. Das bestätigte der Verwaltungsausschuss im Januar 2026 nachträglich. Die Schlussrechnung steht noch aus, weil Nachträge zum gestörten Bauablauf erst geklärt werden müssen.
Kritik
Wer eine Straße mit Bestandsbäumen und alter Ampeltechnik baut, kann Wurzelkonflikte und verschlissene Kabel nicht erst während der Bauarbeiten entdecken. Ein pauschaler Aufschlag von 30 Prozent ersetzt keine Kostenermittlung, wenn Baumgutachten und Verkehrsplanung längst vorliegen. Dass die Stadt über eine Million Euro auszahlte, bevor die Mehrkosten politisch bestätigt waren, höhlt die Kontrolle durch den Stadtrat aus. Künftig müssen Zustand und Bestand vor dem Beschluss geprüft und die Summe realistisch angesetzt werden, damit nicht die Nachträge den Preis bestimmen.
2023934: 2. Änderung Bau- und Finanzierungsbeschluss Landsberger Straße von Coppiplatz bis Hans-Oster-Straße (Bestätigung gem. §20 SächsKomHVO), Ratsinformationssystem der Stadt Leipzig, 14. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.