Zoo Leipzig: Neue Anlage kostet das Doppelte
Für Asiens Inselwelten im Zoo Leipzig sollen statt 15 nun 30,5 Millionen Euro fließen, die Stadt soll 17,8 Millionen Euro mehr zahlen
Was ist passiert?
Seit dem Ratsbeschluss von 2000 baut die Zoo Leipzig GmbH ihre Anlagen nach dem Masterplan „Zoo der Zukunft“ um. Pongoland, Gondwanaland, das Aquarium und das Terrarium sind fertig. Offen sind noch die Themenwelt Feuerland, die Asiatischen Inselwelten und einige Infrastrukturprojekte.
Bei der letzten Anpassung im November 2022 ging man für diese Reste von 62 Mio. Euro und einer Fertigstellung 2027 aus. Inzwischen sind es 84 Mio. Euro und das Jahr 2030. Das sind 22 Mio. Euro oder gut ein Drittel mehr (22 : 62 = 35 Prozent). Der Zoo will 13,4 Mio. Euro selbst tragen, davon 7,5 Mio. Euro über neue Darlehen. Der Förderverein soll 1,0 Mio. Euro beisteuern. Die Stadt soll 7,6 Mio. Euro zahlen, verteilt auf 1,9 Mio. Euro in jedem Jahr von 2027 bis 2030. Dazu kommt der Betriebszuschuss von 3,4 Mio. Euro jährlich, der 2027 enden sollte und nun bis 2030 weiterlaufen soll. Das sind drei zusätzliche Jahre, also 10,2 Mio. Euro. Zusammen ergibt das 17,8 Mio. Euro an zusätzlichem städtischem Geld.
Der Beschlussvorschlag spricht von einer Erhöhung „infolge nicht beeinflussbarer Faktoren“, gemeint ist vor allem die Baupreisentwicklung. Die Anlage zeigt jedoch ein anderes Bild: 15,5 der 22 Mio. Euro entfallen auf die Asiatischen Inselwelten, und dort entschied man sich für ein neues Konzept. Das alte Konzept von 2012 war mit 15 Mio. Euro veranschlagt. Das neue kostet 28 Mio. Euro plus 2,5 Mio. Euro für den Teilerhalt des denkmalgeschützten „Neuen Vogelhauses“, zusammen 30,5 Mio. Euro. Der Betrag hat sich also verdoppelt. Die alte Variante sei zwar „notfalls“ umsetzbar, entspreche aber nicht den Ansprüchen eines führenden Zoos. Die übrigen 6,5 Mio. Euro Mehrkosten gehen auf Feuerland zurück (43 auf 49,5 Mio. Euro). Die zahlt der Zoo allein.
Die Stadt selbst konnte ihren Haushalt 2025/2026 nur mit einem Haushaltsstrukturkonzept genehmigt bekommen. Kredite sind ihr weitgehend untersagt. Das Geld soll deshalb aus dem Etat der Tourismusförderung kommen. Über die Vorlage sollte die Ratsversammlung am 1. Juli 2026 entscheiden.
Kritik
Eine Verdopplung der Kosten für die Asiatischen Inselwelten durch ein neues Konzept hat mit „nicht beeinflussbaren Faktoren“ wenig zu tun, sie ist eine gewollte Entscheidung. Eine Stadt, die ihren Haushalt nur mit Strukturkonzept genehmigt bekommt, sollte bei einem freiwilligen Vorhaben nicht zusätzlich 17,8 Mio. Euro zusagen. Zwischen der Sparvariante mit 15 Mio. Euro und der Luxusvariante mit 30,5 Mio. Euro hätte es eine abgespeckte Lösung geben müssen. Die Rechnung geht zudem nur auf, wenn Besucherzahl und Eintrittspreise wie geplant steigen.
2029627: Anpassung des Ratsbeschlusses VII-DS-07486 vom 09.11.2022: Aktualisierung der zeitlichen Umsetzung und des Finanzierungskonzeptes zum Masterplan „Zoo der Zukunft“, Ratsinformationssystem der Stadt Leipzig, 25. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.