12,5 Millionen für eine Straße voller Löcher
In Ludwigshafen wird eine Hauptstraße für 12,54 Millionen Euro neu asphaltiert, weil man sie seit 2021 als sehr schlecht kannte und nichts tat
Was ist passiert?
Zwischen der Autobahn A6 und der Kreisstraße K1 führen B9 und L523 als Hauptverkehrsstraße durch Ludwigshafen. Nach Angaben der Stadt rollen hier mehrere Tausend Fahrzeuge am Tag, und die Strecke gehört zum Drei-Zonen-Konzept rund um das Hochstraßenprojekt.
Schon 2021 stufte die Straßenzustandserfassung den Asphalt in die zweitschlechteste Kategorie ein. Passiert ist zunächst nichts, denn die Personalausstattung der Verwaltung erlaubt nach eigener Aussage nur die Bearbeitung der schlechtesten Kategorie. Dann kam der Januar 2026: Starker Frost riss großflächige Schlaglöcher auf, die zunächst notdürftig geflickt wurden. Seither gilt Tempo 50, und zwar bis zur Sanierung, die für Juli 2026 in den Sommerferien vorgesehen ist.
Jetzt soll die Fahrbahn für 12,54 Mio. Euro erneuert werden, davon 12,164 Mio. Euro Baukosten und 376.000 Euro Verwaltungskosten. Den Bund kostet das 3,3 Mio. Euro, das Land 6,38 Mio. Euro und die Stadt 2,86 Mio. Euro. Für den städtischen Abschnitt beantragte die Stadt 65 Prozent Förderung. Weil die Bewilligung nicht abgewartet werden kann, wurde zugleich ein vorzeitiger Baubeginn beantragt. Wird die Förderung gewährt, verringert sich die Summe um 1,803 Mio. Euro auf 10,737 Mio. Euro.
Die Verwaltung nennt die Erneuerung „unabweisbar“, um einen weitaus teureren Vollausbau zu vermeiden. Das klingt plausibel, wirft aber die Frage auf, warum man den Schaden erst so weit kommen ließ.
Zur Größenordnung: Die Anlage nennt drei Abschnitte mit 840, 1.745 und 755 Stationseinheiten. Versteht man sie als Meter, sind es 3.340 Meter. 12,54 Mio. Euro geteilt durch 3.340 Meter ergeben rund 3.750 Euro je Meter Strecke, beide Fahrtrichtungen eingeschlossen.
Kritik
Eine Straße, die seit 2021 als zweitschlechteste Kategorie geführt wird, darf nicht Jahre auf Personal warten, bis ein Frostwinter die Entscheidung erzwingt. Die Verwaltung räumt selbst ein, dass spätere Schäden den teureren Vollausbau nach sich ziehen können. Wer eine Hauptverkehrsstraße so lange auf der Warteliste stehen lässt, zahlt am Ende Notreparaturen, Tempolimit und eine Eilsanierung. Die Stadt hätte die Erneuerung früher einplanen und die nötige Bearbeitungskapazität bereitstellen müssen, statt erst nach dem Schaden zu bauen und die Förderzusage nicht abzuwarten.
20261358: Fahrbahnerneuerung Bundesstrae B9 Landesstraße L523, Ratsinformationssystem der Stadt Ludwigshafen am Rhein, 13. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.