850.000 Euro für zwei Klassenräume auf Zeit
Ludwigshafen stellt an der Rupprechtschule fünf Jahre lang zwei Container auf den Sportplatz, fast die Hälfte, 400.000 Euro, geht für Miete und Nebenkosten
Was ist passiert?
Die Rupprechtschule ist eine Grundschule der Stadt Ludwigshafen am Rhein. Sie wird zum Schuljahr 2026/2027 zu eng: Mehr Kinder wurden angemeldet, als die Stadt aus den Einwohnermeldedaten errechnet hatte. Die Prognose lag knapp unter dem Klassenteiler, die Wirklichkeit offenbar darüber. Im Schulgebäude lässt sich laut Verwaltung kein Raum mehr umnutzen, ein Mehrzweckraum dient schon jetzt als Klassenzimmer.
Als Ausweg soll die Stadt auf dem hinteren Teil der Außensportfläche zwei Raummodule in Stahlskelettbauweise aufstellen, und zwar für fünf Jahre. Die Schule ist mit der kleineren Sportfläche einverstanden. Die Kostenschätzung beträgt 850.000 Euro brutto, das sind 425.000 Euro je Klassenraum (850.000 : 2) oder 170.000 Euro für jedes der fünf Standjahre (850.000 : 5). Hinzu kommen jährlich 24.500 Euro Betriebskosten, in fünf Jahren also 122.500 Euro (24.500 x 5).
Auffällig ist die Aufteilung: Die Baukonstruktionen schlagen mit 50.000 Euro zu Buche, die Bauneben- und Mietkosten dagegen mit 400.000 Euro. Das ist fast die Hälfte der Gesamtsumme (400.000 : 850.000 = 47 Prozent).
Auch beim Geld ist der Plan eher improvisiert. Die 405.000 Euro für Vorbereitung, Technik, Außenanlagen und Baunebenkosten sind im Haushalt 2026 nicht angemeldet und sollen aus dem Budget für den Gebäudeunterhalt kommen. Die Möblierung für 30.000 Euro soll außerplanmäßig aus einer Investitionsnummer für eine Turnhalle bezahlt werden. Die Mieten für 2027 bis 2031 und der Rückbau im Jahr 2031 müssen erst noch beantragt werden. Die Verwaltung erklärt die Ausgabe wegen des akuten Raumbedarfs für unabweisbar.
Dabei erwartet die Vorlage selbst, dass sich die Schule ab 2028/2029 wieder bei vier Zügen einpendelt. Die Module sollen trotzdem bis 2031 stehen. Ein aktualisiertes pädagogisches Konzept liegt nicht vor, und für die dauerhafte Erweiterung bleibt ein Fehlbedarf von rund 350 Quadratmetern offen.
Kritik
Rund 425.000 Euro für einen Klassenraum, der nach fünf Jahren wieder verschwinden soll, sind eine teure Lösung, zumal fast die Hälfte der Summe auf Miete und Nebenkosten entfällt und kein bleibender Wert entsteht. Wer die Anmeldezahlen unterschätzt und dann in letzter Minute ein Provisorium aus dem Gebäudeunterhalt und einem Turnhallenprojekt zusammensucht, plant zu knapp. Sinnvoller wäre gewesen, die 350 Quadratmeter Dauerbedarf zuerst zu klären und die Übergangslösung daran auszurichten, statt Geld in Räume zu stecken, die das eigentliche Raumproblem nicht lösen. Die Standzeit von fünf Jahren sollte zudem zum erwarteten Rückgang der Schülerzahl passen, sonst zahlt die Stadt für Fläche, die nicht gebraucht wird.
20261324: Grundschule Rupprechtschule, Errichtung von zwei temporären Klassenräumen, Hier: Maßnahmenantrag, Ratsinformationssystem der Stadt Ludwigshafen am Rhein, 13. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.