Hochwasserdamm mit Lücken wird teurer
Ludwigshafen zahlt für feste Tore im Damm am Rhein 661.000 statt 400.000 Euro, weil die Lücken beim Hochwasser 2024 nur mit 200 Helfern zu schließen waren
Was ist passiert?
Zwischen der Autobahn 6 und dem Rheinhauptdeich am Landeshafen Nord soll ein Riegeldamm das Hinterland schützen, falls der Rheinhauptdeich versagt. Ludwigshafen und Frankenthal bauten ihn 2022 gemeinsam mit dem Gewässerzweckverband Isenach-Eckbach, auch die BASF ist an dem Projekt beteiligt. Gebaut wurde er als „Minimalvariante“ ohne Verschlüsse. Die Öffnungen an der Autobahn und am Muldenweg sollten im Ernstfall mit Schüttmaterial geschlossen werden.
Der Ernstfall kam zu Fronleichnam 2024. Der Untergrund war nach wochenlangem Regen aufgeweicht, die Zeit knapp. Laut Verwaltung gelang das Schließen der Lücken nur mit rund 200 Hilfskräften des Technischen Hilfswerks samt Gerät. Die Schüttungen liegen bis heute dort.
Aus dem Einsatz zieht die Stadt nun den Schluss, dass es doch feste Verschlüsse braucht. Am Muldenweg und „Am Hansenbusch“ sollen zwei Stahlbetonbauwerke mit Spundwänden entstehen, in die bei Hochwasser Dammbalken eingesetzt werden. Die Öffnung an der Autobahn soll dauerhaft zugeschüttet bleiben. Zusätzlich ist ein Deichverteidigungsweg hinter dem Damm vorgesehen, denn einen solchen Weg gab es bislang nicht.
Ende 2024 wurde eine Kostenprognose erstellt, und Anfang 2025 plante die Stadt zunächst 400.000 Euro als ihren Anteil ein. Inzwischen sind die Baukosten mit 1,23 Mio. Euro brutto veranschlagt, der Stadtanteil beträgt samt Ingenieurkosten 661.000 Euro. Das sind 261.000 Euro oder gut 65 Prozent mehr (261.000 : 400.000). Die offizielle Begründung: Die geotechnische Untersuchung verlangte größere Bauteile, der Freibord musste berücksichtigt werden, und die Baukosten sind generell gestiegen. Zuschüsse des Landes gibt es keine, die Stadt trägt den Betrag allein aus eigenen Mitteln.
Die Ausschreibung soll ab Dezember 2026 erfolgen, gebaut werden soll im Frühjahr 2027 rund vier Monate lang.
Kritik
Ein Schutzdamm, dessen Lücken erst im Ernstfall mit Schüttgut und Hunderten Helfern geschlossen werden müssen, ist keine fertige Schutzanlage, sondern eine Einladung zum Krisenmanagement. Die Einsparung durch die Minimalvariante 2022 wird nun mit einem Einsatz im Hochwasser und einer teuren Nachrüstung bezahlt. Dass bei der Nachrüstung Bauteile größer ausfallen müssen und der Freibord erst später berücksichtigt wird, zeigt, wie knapp die erste Kostenschätzung kalkuliert war. Hochwasserschutz gehört von Anfang an funktionsfähig und mit belastbaren Zahlen geplant.
20262005: Hochwasserschutz: Errichtung von zwei Verschlussbauwerken für den Riegeldamm „Am Hansenbusch“, Ratsinformationssystem der Stadt Ludwigshafen am Rhein, 7. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.