Kurze Straße, Kanal für 1,6 Millionen Euro
In Ludwigshafen kostet der neue Abwasserkanal in der Spatenstraße auf 180 Metern 1,6 Millionen Euro statt der geplanten 948.000 Euro
Was ist passiert?
In der Spatenstraße lag seit 1931 ein Abwasserkanal, den der Wirtschaftsbetrieb Ludwigshafen auf rund 180 Metern ersetzen musste. Eine TV-Untersuchung hatte sofortigen und kurzfristigen Sanierungsbedarf gezeigt. Der alte Kanal mit 300 Millimetern Nennweite wurde in offener Bauweise durch einen neuen gleicher Größe ersetzt, in vier Haltungen. Die Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) tauschten im selben Abschnitt die Trinkwasserleitung und sanierten Gashausanschlüsse.
Im Juli 2023 genehmigte der Werkausschuss dafür 948.000 Euro. Im Juni 2024 kamen per Eilentscheid des Stadtvorstands 334.000 Euro dazu, insgesamt also 1.282.000 Euro. Nun sollen weitere 318.000 Euro genehmigt werden, womit die Gesamtsumme auf 1,6 Mio. Euro steigt. Das sind 652.000 Euro oder rund 69 Prozent mehr als zu Beginn (652.000 geteilt durch 948.000). Je Meter Kanal stiegen die Kosten von etwa 5.270 auf etwa 8.890 Euro (948.000 bzw. 1.600.000 geteilt durch 180 Meter).
Die Verwaltung führt dafür Umstände an, die weder bei der Planung noch bei der Ausschreibung vorhersehbar gewesen seien. Wegen eines Kampfmittelverdachts musste jeder Aushub von einem Sachverständigen begleitet werden, was zu Stillstand und geringerer Leistung führte. Weil die TWL mehrere Baugruben offen halten mussten, waren neben Schule und Kindergarten zusätzliche Abdeckungen und Absicherungen nötig. Dazu kamen zahlreiche Leitungen, die in den Plänen der Versorgungsträger nicht verzeichnet waren.
Die allgemeine Baupreissteigerung taugt als Erklärung nur begrenzt. Nach der Vorlage macht sie bei den reinen Baukosten rund 44.000 Euro aus. Die Baukosten stiegen aber um 283.000 Euro auf 1.357.000 Euro. Mehr als 80 Prozent der Mehrkosten haben also andere Ursachen (239.000 von 283.000 Euro). Ob und in welcher Höhe die TWL ihren Anteil erstatten, soll erst nach der Schlussrechnung abgerechnet werden.
Kritik
Dass ein 1931 verlegter Kanal in einer Straße mit Schule und Kindergarten auf Hindernisse stößt, ist keine Überraschung, sondern ein Planungsrisiko. Wer den Leitungsbestand vor der Ausschreibung nicht prüft und sich auf unvollständige Pläne verlässt, bezahlt die Lücken später mit Nachträgen. Der Kampfmittelverdacht und die Baugrubensicherung hätten von Anfang an in die Kalkulation gehört, statt die Genehmigung in zwei Schritten zu strecken. Der Kanal ist zudem bereits gebaut, sodass der Ausschuss die Mehrkosten nachträglich nur noch abnicken kann, ohne etwas ändern zu können.
20261157: Erweiterung der Maßnahmengenehmigung "Kanalerneuerung Spatenstraße", Ratsinformationssystem der Stadt Ludwigshafen am Rhein, 27. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.