Staatsbilanz

Stadt/Ludwigshafen am Rhein/Kostensteigerung

Ludwigshafen: Stromhaus für Bahn doppelt so teuer

Ludwigshafen zahlt für ein Stromhaus der Straßenbahn 2,9 statt 1,3 Millionen Euro, obwohl die Planung schon über fünf Jahre läuft

Was ist passiert?

Die Straßenbahnen in Ludwigshafen brauchen Strom, und der kommt aus Gleichrichterunterwerken entlang der Strecke. Die Stadt finanziert die Investitionen der Verkehrsbetriebe VBL über Zuschüsse mit. Im Dezember 2022 genehmigte der Stadtrat zwei solcher Anlagen: das Unterwerk Friedenspark (V171) für 1,3 Mio. Euro und das Unterwerk Ebertpark (V216) für 1,23 Mio. Euro.

Das Unterwerk Friedenspark wurde danach zweimal teurer. Zunächst stieg das Budget auf 1,75 Mio. Euro, die Stadt überwies das Geld vollständig. Nun sollen es 2,901 Mio. Euro werden. Die Mehrkosten von 1,151 Mio. Euro begründet die Verwaltung mit Angaben des Verkehrsunternehmens rnv. Der ursprüngliche Speisepunkt am Hauptbahnhof ist weggefallen, deshalb muss das Unterwerk zusätzlich die Frankenthaler Straße mitversorgen, und sein Standort musste verlegt werden. Das sei anfangs nicht absehbar gewesen. Dazu kämen Preissteigerungen bei nahezu allen Komponenten, Materialien und Dienstleistungen. Die Planung läuft laut Vorlage seit mehr als fünf Jahren.

Zum Ausgleich soll das Unterwerk Ebertpark gestrichen werden. Ein stärkeres Tragseil in der Hohenzollernstraße genügt nämlich, um die Stromversorgung zu sichern. Rechnerisch geht das Paket auf: Zusammen waren die beiden Anlagen mit 2,98 Mio. Euro genehmigt, jetzt sind es 2,901 Mio. Euro, also 79.000 Euro weniger. Doch für Ebertpark war bis auf 13.000 Euro im Jahr 2024 noch kein Geld geflossen, und ob diese Summe zurückkommt, ist offen. Die Stadt muss deshalb 2026 zusätzlich 1,151 Mio. Euro aufbringen, das Finanzierungsvolumen des VBL-Investitionsplans steigt von 24.157.186 auf 25.308.186 Euro. Gegenüber dem ersten Beschluss kostet Friedenspark 1,601 Mio. Euro mehr, also gut das Zweieinhalbfache der Preissteigerung von 1,3 auf 1,75 Mio. Euro. Die Mittel stammen aus Haushaltsresten. Der Stadtrat sollte am 22.6.2026 entscheiden, was danach beschlossen wurde, ist unbekannt.

Kritik

Über fünf Jahre Planung und zwei Kostensprünge für ein einziges Unterwerk zeigen, dass die Versorgung der Strecke anfangs nicht zu Ende gedacht wurde. Dass ein dickeres Tragseil ein ganzes Unterwerk ersetzen kann, hätte lange vor dem ersten Beschluss auffallen müssen. Die Streichung von Ebertpark ist vernünftig, wird aber als Ausgleich verkauft, obwohl die Stadt am Ende mehr zahlt und das Budget für Friedenspark um mehr als das Doppelte wächst. Bei einem Projekt dieser Größe sollte vor jeder Genehmigung feststehen, welche Strecke es versorgen muss und welche günstigere Lösung es gibt.

20261859: Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur durch die Stadt Ludwigshafen, Kostenerhöhung Maßnahme V171, dafür Löschung V216, Ratsinformationssystem der Stadt Ludwigshafen am Rhein, 22. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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