Tanzfestival Aachen 22.500 Euro zu teuer
Aachen zahlte für die Technik beim Tanzfestival knapp 72.600 statt 50.000 Euro, weil Kirche und Museum keine Bühnentechnik haben
Was ist passiert?
Das schrit_tmacher Festival ist ein euregionales Tanzfestival, das Aachen gemeinsam mit Partnern in Heerlen und Eupen ausrichtet. Seit die bisherige Spielstätte Stahlbau Strang aus Kostengründen aufgegeben wurde, setzt der städtische Kulturbetrieb auf verteilte Orte. Die Ausgabe 2026 zeigte Tanz daher nicht nur im Theater, sondern auch in der Mulde des Ludwig Forums und in der Citykirche. Jedem Stück den passenden Ort zu geben, ist eine hübsche Idee. Sie wird teuer, wenn niemand vorher klärt, was an diesen Orten technisch fehlt.
Für die Technik aller Produktionen, ausgenommen die Koproduktion mit dem Theater, waren 50.000 Euro angesetzt. Am Ende kamen Mehrkosten von 22.577,82 Euro hinzu. Das Technikbudget lag damit bei knapp 72.600 Euro und rund 45 Prozent über dem Ansatz (22.577,82 geteilt durch 50.000).
Die Erklärung der Verwaltung: Im Theater gab es keine Erfahrung mit moderner Tanzperformance, und die komplexen Technical Rider der Kompanien lagen in der ersten Planungsphase nicht vor. Erst danach zeigte sich, welche Technik zugemietet werden musste. Ludwig Forum und Citykirche haben keine oder nur rudimentäre Technik, also mussten Beleuchtung, Videoprojektion und Sitzmöglichkeiten her, in der Citykirche sogar eine Tribüne. Schließlich wurde auch noch ein technischer Projektleiter für 8.000 Euro nachträglich ausgeschrieben, weil jemand die Rider fachkundig bewerten musste. Beauftragt wurde er erst in der Realisierungsphase.
Unter dem Strich stieg der Eigenanteil des Kulturbetriebs um 14.035,17 Euro, von 145.161 auf 159.196,17 Euro. Das sind rund 9,7 Prozent mehr (14.035,17 geteilt durch 145.161). Die Gesamtkosten des Festivals betrugen 345.858,83 Euro. Immerhin war die Mulde im Ludwig Forum ausverkauft und die Citykirche nahezu. Bei „Rhino“ im Theater blieben dagegen 35 bis 40 Prozent der Plätze leer. Für 2027 soll der technische Projektleiter schon 2026 beauftragt werden, damit er vor den Gesprächen mit den Kompanien die Technikkosten einschätzen kann.
Kritik
Wer ein Festival bewusst an Orte ohne Bühnentechnik verlegt, muss die Technikkosten kennen, bevor er die Stücke auswählt. Dass der Projektleiter erst kam, als die Verträge und die Orte längst standen, war ein vermeidbarer Planungsfehler. Ein Technikansatz, der um fast die Hälfte überschritten wird, war offenbar nicht mehr als eine Schätzung ins Blaue. Gut, dass die Stadt es 2027 früher versuchen will, aber sie hätte diese Reihenfolge schon bei der Umstellung auf mehrere Spielorte einplanen müssen.
1011774: Bericht zum schrit_tmacher Festival 2026, Ratsinformationssystem der Stadt Aachen, 17. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.