1,5 Millionen Euro für einen Schulhof
Bochum baut einen Grundschulhof für 1,5 Millionen Euro um, 0,5 Millionen davon zahlt die Stadt selbst, dazu kommen Folgekosten jedes Jahr
Was ist passiert?
Die Schule an der Hordeler Heide ist eine zweizügige städtische Grundschule, deren Ganztagsbereich derzeit saniert wird. Danach soll der Schulhof umgebaut werden: weniger Asphalt, mehr Grün, dazu ein Mulden-Rigolen-System, das Regenwasser versickern lässt. Die Stadt hat den Standort zum „Modell- und Prestigeprojekt“ erklärt. Es soll als Grundlage für weitere Schulhöfe im Stadtgebiet dienen.
Die Gesamtkosten liegen bei rund 1,5 Mio. Euro. Etwa 0,9 Mio. Euro gelten als förderfähig und werden vollständig bezahlt: rund 0,5 Mio. Euro vom Land, rund 0,4 Mio. Euro von der Emschergenossenschaft. Das Förderprogramm trägt übrigens „internationale Strahlkraft“ im Namen. Die übrigen rund 0,5 Mio. Euro bleiben bei der Stadt. Sie fließen in Spiel- und Sportflächen, Spielgeräte, einen Schulgarten mit Zisterne und Solarpumpe, ein „Grünes Klassenzimmer“ und Neupflanzungen. Auf jeden geförderten Euro kommen damit rund 55 Cent Eigenmittel (0,5 Mio. geteilt durch 0,9 Mio.).
Die Verwaltung hält diese Ausgaben für „zwingend erforderlich“. Sie seien Teil des Förderantrags, ohne sie wäre das Ergebnis pädagogisch unvollständig, und ein Verzicht könne die Fördermittel gefährden. Bemerkenswert ist, dass die Stadt den Antrag selbst so zugeschnitten hat. Nach dem Zuwendungsbescheid vom April 2026 soll der Rat nun die Umsetzung beschließen.
Damit ist es nicht getan. Ab Mitte 2031 fallen für Pflege und Unterhaltung der neuen Freiflächen jährlich rund 15.000 Euro an. Über die angesetzten 25 Jahre Nutzungsdauer wären das rund 375.000 Euro. Hinzu kommen eine Abschreibung von rund 59.000 Euro und ein anfänglicher Zinsaufwand von 53.000 Euro im Jahr. Wie die Stadt diese Last bei weiteren Schulhöfen tragen will, nach demselben Muster, bleibt offen.
Kritik
Fördergeld ist kein Geschenk, wenn es die Stadt zu Ausgaben zwingt, die sie sonst nicht in dieser Form getätigt hätte. Ein Konzept, das ein Drittel der Kosten bei der Stadt belässt und dauerhaft Folgelasten erzeugt, ist schlecht auf ihre Finanzlage abgestimmt. Wenn dieser „Prestigehof“ zum Muster für weitere Schulen wird, vervielfacht sich der Eigenanteil. Die Stadt sollte Vorhaben so planen, dass sie im Kern ohne eigenes Geld auskommen, und Ausstattung nur dort finanzieren, wo sie wirklich gebraucht wird.
20262215: Realisierungsbeschluss zur Schulhofgestaltung an der Hordeler Heide, ehemals Emil-von-Behring-Schule, TSO an der Hordeler Heide 169e, Ratsinformationssystem der Stadt Bochum, 12. November 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.