4,5 Millionen für eine Markthalle ohne Betreiber
Bochum soll für die Markthalle im Haus des Wissens 4,5 Millionen Euro zusagen, obwohl die Suche nach einem Betreiber erst 2027 beginnt
Was ist passiert?
Im Haus des Wissens sollen in der Bochumer Innenstadt Stadtbücherei, Volkshochschule und der Wissensverbund Univercity unter einem Dach arbeiten. Als vierter Baustein ist eine Markthalle vorgesehen. Nach dem Ratsbeschluss von 2019 soll ein privater Betreiber sie führen und sich langfristig aus den Umsatzmieten der Händler tragen. Das Gebäude soll 2028 fertig werden.
Damit der Betreiber nicht bei null anfängt, stecken schon 3,2 Mio. Euro für die Vorrüstung in den Baukosten. Dazu gehören Strom und Wasser im Boden für bis zu 50 Marktmodule, eine Zwischendecke für die Abluft, eine Spülküche und Umkleiden. Trotzdem soll der Rat am 12. November 2026 weitere 4,5 Mio. Euro beschließen. 1,5 Mio. Euro sind für Management und Mietausfälle der ersten drei Jahre gedacht, das sind rechnerisch gut 41.700 Euro im Monat (1,5 Mio. Euro geteilt durch 36 Monate). 3,0 Mio. Euro sollen für Marktstände und Technik vorgestreckt werden, die der Betreiber später über eine Investitionsmiete zurückzahlen soll.
Wer dieser Betreiber sein wird, weiß niemand. Die Suche soll erst im ersten Quartal 2027 beginnen. Auch die Deckung ist offen: Die Mittel sollen im weiteren Haushaltsverfahren berücksichtigt werden, und die Verwaltung muss dafür noch einen Kompensationsvorschlag vorlegen.
Als Grundlage dient ein Gutachten der Handelsberatung BBE. Sie hat die Wirtschaftlichkeitsrechnung von 2020 geprüft und nach eigener Darstellung leicht an Marktbedingungen und Kaufkraft angepasst. Das Konzept sei umsetzbar, fast alle Erfolgsfaktoren seien erfüllt. Zugleich nennt das Gutachten als Herausforderung, die Lage des Hauses sichtbar zu machen und genügend Touristen anzuziehen. Es betont außerdem, dass die Zielwerte Anschubinvestitionen notwendig machten. Wer das liest, ahnt, dass sich die Halle ohne Zuschuss nicht von allein füllt.
Zählt man die Vorrüstung mit, kommen für 50 Module 7,7 Mio. Euro zusammen (3,2 + 3,0 + 1,5). Das sind 154.000 Euro je Modul, bevor der erste Händler sein Obst auslegt.
Kritik
Ein Rat sollte Millionen für einen Betreiber nicht bewilligen, solange weder Betreiber noch Konditionen feststehen. Die Stadt übernimmt hier Anlaufverluste und Mietausfälle und streckt zugleich 3,0 Mio. Euro vor, die bei einem Scheitern des Betreibers an ihr hängen bleiben. Sinnvoller wäre es gewesen, zuerst das Interessenbekundungsverfahren durchzuführen und den Zuschuss erst mit einem konkreten Bewerber, belastbaren Zahlen und Sicherheiten für die Rückzahlung zu beschließen. Eine Halle, die sich laut Konzept selbst tragen soll, aber schon vor dem Start 4,5 Mio. Euro zusätzlich braucht, verlangt einen deutlich kritischeren Blick als eine fortgeschriebene Rechnung von 2020.
20262562: Markthalle im Haus des Wissens - hier: Beschluss über eine Anschubfinanzierung eines Markthallenbetreibers, Ratsinformationssystem der Stadt Bochum, 12. November 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.