Staatsbilanz

Stadt/Chemnitz/Folgekosten

Abwasser in Chemnitz: 66 Prozent teurer

Chemnitz verlängert den Vertrag mit dem Versorger eins ohne Preisvergleich, obwohl 100 Kubikmeter Abwasser nun 441 statt 266 Euro kosten

Was ist passiert?

Seit 2003 übernimmt der Energieversorger eins energie in sachsen, früher Stadtwerke Chemnitz AG, im Auftrag der Stadt die Abwasserbeseitigung. Kanalnetz und Kläranlage gehören weiter der Stadt beziehungsweise ihrem Entsorgungsbetrieb ESC. Eins erledigt Betrieb, Kundenservice und Abrechnung und erhebt dafür ein eigenes Entgelt. Die Stadt ist mittelbar Gesellschafterin des Unternehmens.

Der Konzessionsvertrag verlängert sich ab 1. Januar 2028 automatisch um fünf Jahre, wenn bis Ende 2026 niemand kündigt. Weder die Verwaltung noch eins wollen das tun. Eine Ausschreibung oder ein Kostenvergleich ist nicht vorgesehen, denn die stille Verlängerung sei laut Vorlage „kein vergaberelevanter Vorgang“. Begründet wird sie mit Synergien bei Planung, Bau und Kundenbetreuung. Ein Dritter könne sie „eher nicht“ in vergleichbarer Weise erschließen. Beziffert werden diese Vorteile allerdings nicht. Die Fortführung soll nach Auffassung der Verwaltung eine „preisstabile“ Abwasserbeseitigung gewährleisten.

Die Tabelle in der Vorlage erzählt etwas anderes. Das Schmutzwasser kostete 2013 insgesamt 2,66 Euro je Kubikmeter (1,51 Euro ESC plus 1,15 Euro eins). Für 2027 sind es 4,41 Euro (2,53 plus 1,88), ein Plus von rund 66 Prozent (4,41 geteilt durch 2,66). Allein der eins-Anteil legte um etwa 63 Prozent zu. Bei 100 Kubikmetern Verbrauch bedeutet das 441 statt 266 Euro, also 175 Euro mehr. Der größte Sprung kam zwischen 2024 und 2025: von 3,33 Euro (1,77 plus 1,56) auf 4,41 Euro, rund ein Drittel auf einmal. Beim Niederschlagswasser stieg die Summe je Quadratmeter von 0,87 auf 1,61 Euro.

Die Verwaltung führt den Anstieg beim ESC auf Investitionen zurück. Bei eins nennt sie geringere Abwassermengen sowie höhere Tarif- und Materialkosten. Weitere Steigerungen durch externe Effekte könne man „nicht ausschließen“. Erst 2029 soll das Modell wieder überprüft werden.

Kritik

Wer einen Vertrag mit einem Unternehmen fortsetzt, dessen Entgeltanteil in gut zehn Jahren um fast zwei Drittel gestiegen ist, sollte wenigstens prüfen, ob es anderswo günstiger geht. Dass die Vorteile des bestehenden Modells nicht beziffert werden, aber Preisstabilität versprochen wird, passt nicht zur Entwicklung der Entgelte. Die Stadt hätte vor Ablauf der Kündigungsfrist einen Kostenvergleich oder eine Marktabfrage vornehmen müssen, statt die Verlängerung als Formsache laufen zu lassen. Bleibt es dabei, sind die Gebührenzahler bis 2032 gebunden, ohne dass je belegt wurde, was sie dafür bekommen.

I-007/2026: Verlängerung Dienstleistungskonzessionsvertrag Abwasser, Ratsinformationssystem der Stadt Chemnitz, 6. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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