Staatsbilanz

Stadt/Chemnitz/Kostensteigerung

Altes Wohnhaus in Chemnitz fast doppelt so teuer

Die Sanierung des Landhauses Karl-Schmidt-Rottluff in Chemnitz kostet 4,06 statt geplanter 2,24 Millionen Euro und wurde 18 Monate später fertig

Was ist passiert?

Chemnitz war 2025 Kulturhauptstadt Europas und ließ dafür an 30 Orten der Stadt bauen. Einer davon ist das Landhaus Karl-Schmidt-Rottluff, ein Wohnhaus, das denkmalgerecht saniert werden sollte und neue Außenanlagen bekam. Im Baubeschluss B-017/2023 standen dafür 2,24 Mio. Euro im Plan, fertig sein sollte das Haus im Juni 2024.

Daraus wurde nichts. Nach der dritten Fortschreibung des Realisierungsvertrags liegen die Gesamtkosten bei 4,06 Mio. Euro. Das sind 1,83 Mio. Euro mehr als geplant. Für jeden ursprünglich veranschlagten Euro sind nun rund 1,82 Euro vorgesehen (4.061.864 Euro geteilt durch 2.236.220 Euro). Das Bauende rutschte von Juni 2024 auf Dezember 2025, also um 18 Monate. Die Vergabe begann im Mai 2023 und damit rund vier Monate später als vorgesehen.

Die Verwaltung nennt als Gründe Preissteigerungen im Bausektor, Neu- und Wiederholungsausschreibungen sowie eine zwischenzeitliche Projektunterbrechung, und das alles unter hohem Termindruck durch den Kulturhauptstadtstatus. Hinzu kamen Schäden an der historischen Bausubstanz, die nach Darstellung der Stadt zuvor nicht erkennbar waren: Decken, Dielungen und Innenputz mussten vollständig erneuert werden. Außerdem wurden die Außenanlagen erweitert, und in nahezu allen Losen ergaben sich Mengenanpassungen.

Bezahlen muss das vor allem die Stadt. Sie trägt 2,79 Mio. Euro, das sind rund 69 Prozent der Gesamtkosten. Die Fördermittel von 951.564 Euro, unter anderem vom Landesamt für Denkmalpflege und von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, decken nur etwa 23 Prozent. Die Mehrkosten allein sind fast doppelt so hoch wie die gesamte Förderung (1.825.644 Euro geteilt durch 951.564 Euro, rund 1,9). Zum Stichtag im Mai 2026 waren 3,74 Mio. Euro abgerechnet; rund 323.000 Euro an nachlaufenden Kosten kommen laut Prognose noch hinzu.

Kritik

Wenn Ausschreibungen wiederholt werden müssen und ein Projekt zwischenzeitlich unterbrochen wird, deutet das auf eine unzureichende Vorbereitung hin. Bei einem historischen Gebäude gehört eine gründliche Bestandsuntersuchung vor dem Baubeschluss dazu, damit Decken, Dielungen und Putz nicht erst mitten im Bau als Überraschung auftauchen. Der Termindruck durch das Kulturhauptstadtjahr hat das Vorhaben offenbar eher verteuert als beschleunigt, denn fertig wurde es trotzdem erst 18 Monate nach dem Plan. Ein Kostenrahmen, der sich um 82 Prozent verschiebt, war von Anfang an nicht belastbar, und die Stadt trägt das Risiko mit ihren eigenen Mitteln.

I-031/2026: Abschlussbericht zur Umsetzung des Stadtentwicklungsprojektes "Interventionsflächen" im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025, Ratsinformationssystem der Stadt Chemnitz, 24. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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