Staatsbilanz

Stadt/Chemnitz/Fehlender Bedarf

Sportinternat Chemnitz: 90 Euro mehr

Eltern in Chemnitz zahlen für ein Internatszimmer 350 statt 260 Euro im Monat, doch 33 der 182 Betten stehen im Schnitt leer

Was ist passiert?

Die Stadt Chemnitz betreibt als Schulträger ein Sportinternat für ihre Sportoberschule und das Sportgymnasium, beide als „Eliteschulen des Sports“ anerkannt. Es hat 182 Plätze und soll Nachwuchstalenten von außerhalb ermöglichen, Wohnen, Training und Schule zu verbinden. 13 Pädagogen betreuen die Jugendlichen an 351 Tagen im Jahr rund um die Uhr.

Ab dem 1. August 2026 soll der Monatsbeitrag für einen Platz von 259,86 auf 350,18 Euro steigen, ein Plus von 90,32 Euro oder knapp 35 Prozent (90,32 geteilt durch 259,86). Die Verwaltung führt höhere Personal- und Energiekosten sowie die Inflation an. Wegen der gestiegenen Nominallöhne sei den Eltern die Erhöhung zumutbar. Den städtischen Kostenanteil senkt sie auf dem Papier von 61 auf 55 Prozent. In Euro wächst er trotzdem von 406,45 auf 428 Euro je Platz.

Entscheidend ist die Rechnung dahinter. Die Gesamtkosten von 778,18 Euro je Platz und Monat gelten für eine Auslastung von 93 Prozent. Für die Jahre 2026 bis 2029 steht dafür die Zahl von 170 Nutzern in der Kalkulation. Gemessen wurden jedoch 139 Nutzer (2024) und im Schuljahr 2024/25 durchschnittlich 149 belegte Plätze, also rund 82 Prozent (149 geteilt durch 182).

Verteilt man die kalkulierten Kosten von durchschnittlich rund 1,59 Mio. Euro im Jahr auf 149 statt 170 Nutzer, kostet ein Platz rund 888 Euro im Monat (1.587.490 geteilt durch 149 und durch 12). Die eingeplanten Entgelteinnahmen von 714.371 Euro schrumpften auf rund 626.000 Euro (149 mal 4.202,18 Euro), also um etwa 88.000 Euro im Jahr. Der Kostendeckungsgrad läge bei rund 39 statt bei den geplanten 45 Prozent. Die 33 Plätze, die im Schnitt leer blieben, kosten rechnerisch gut 308.000 Euro jährlich (33 mal 9.338 Euro). Eltern zahlen nach Abzug des Landeszuschusses von 195 Euro noch 155,18 Euro, mit Verpflegung aber 451,28 statt bisher 316,65 Euro im Monat.

Kritik

Ein Entgelt, das auf eine Auslastung von 170 Nutzern zugeschnitten ist, obwohl zuletzt nur 139 und 149 gemessen wurden, verlagert das Leerstandsrisiko auf Eltern und Stadtkasse zugleich. Die Kalkulation sollte von der tatsächlich belegten Platzzahl ausgehen, damit Kosten und Deckungsgrad ehrlich ausgewiesen werden. Zudem muss geprüft werden, ob bei dauerhaft 33 leeren Plätzen Personal, Flächen und Betriebskosten angepasst werden können, statt den Leerstand mitzufinanzieren. Wer eine Erhöhung um knapp 35 Prozent begründet, sollte zeigen, wie die geplante Belegung erreicht werden soll.

B-038/2026: Entgeltordnung für das Sportinternat der Stadt Chemnitz, Ratsinformationssystem der Stadt Chemnitz, 27. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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