Eine Million Euro für einen Korb
Der Basketballplatz im Konkordiapark kostete rund 1 Mio. Euro, während die Stadt zugleich Schulbauvorhaben nicht realisieren konnte.
Was ist passiert?
Die Stadt Chemnitz betreut Jahr für Jahr Hunderte Baumaßnahmen, vom Schulanbau über den Radweg bis zum Breitbandnetz. Einmal im Halbjahr legt das Baudezernat dem Stadtrat dazu einen Controllingbericht vor. Im Bericht zum Stand 31.12.2025 steht unter den abgeschlossenen Maßnahmen auch ein Basketballplatz im Konkordiapark.
Der Platz war im Februar 2025 fertig und wurde am 13.06.2025 feierlich eröffnet. Die Baukosten beziffert der Bericht mit insgesamt rund 1 Million Euro, in einem einzigen Halbsatz. Eine Begründung für die Summe liefert er nicht. Zum Vergleich: Das zweite Kunstrasengroßfeld im Sportforum, ein vollständiges Fußballfeld samt Entwässerung, ist mit 1.650.124 Euro veranschlagt. Der Basketballplatz kostet damit rund 61 Prozent davon (1,0 Mio. geteilt durch 1,65 Mio.).
Besonders schwer wiegt der Zeitpunkt. Die Stadt stand 2025 lange unter vorläufiger Haushaltsführung, erst am 13.06.2025, dem Tag der Platzeröffnung, genehmigte die Landesdirektion Sachsen den Haushalt. Der Bericht spricht von einer „kritischen Haushaltslage“ und von Liquiditätsengpässen. Geplante Bauvorhaben für die schulische Infrastruktur konnten nicht realisiert werden, weil Fördermittel aus dem Stadtbudget fehlten. Die Erweiterung des Terra Nova Campus, eines Förderzentrums für körperlich und motorisch beeinträchtigte Kinder, ruht, nachdem die Förderung von 8.955.000 Euro weggefallen ist. Zum Stichtag lagen Sperren über 33,7 Millionen Euro vor.
Ein Sportplatz, der so viel kostet wie mehr als die Hälfte eines Fußballgroßfelds, und daneben Schulprojekte auf Eis: Diese Rechnung geht nur schwer auf.
Kritik
Rund eine Million Euro für einen einzelnen Basketballplatz ist eine Summe, die sich ohne ausführliche Begründung kaum rechtfertigen lässt. Gerade eine Stadt, die von Liquiditätsengpässen spricht und Schulvorhaben zurückstellen muss, hätte den Umfang eines solchen Freizeitprojekts kritisch prüfen und auf das Nötige begrenzen müssen. Wer den Platz am Tag der Haushaltsgenehmigung feierlich eröffnet, sollte auch erklären können, warum er so teuer war. Bei knappen Kassen gehören Schulen und Förderzentren in der Prioritätenliste vor den Sportplatz.
I-010/2026: Controllingbericht des Baudezernates zu ausgewählten Maßnahmen zum Stand 31.12.2025, Ratsinformationssystem der Stadt Chemnitz, 2. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.