Staatsbilanz

Stadt/Düsseldorf/Kostensteigerung

Alarmanlage für 900.000 Euro ohne Stadtrat

Düsseldorf bestellte für die Archive der Zentralbibliothek am Hauptbahnhof eine Alarmanlage für 897.605 Euro, bevor der Stadtrat zustimmte

Was ist passiert?

Am Konrad-Adenauer-Platz 1 direkt am Hauptbahnhof hat die Stadt ein Gebäude für 30 Jahre vom Vermieter VZN gemietet. Darin sind die Zentralbibliothek mit 8.000 Quadratmetern Publikumsfläche, das Forum Freies Theater und mehrere städtische Archive untergebracht. Die Bibliothek eröffnete im November 2021 und zählt über eine Million Besucher im Jahr. Die Ausstattung der städtischen Einrichtungen sollte ursprünglich rund 16,5 Mio. Euro kosten.

Nun liegt der vierte Änderungsbeschluss vor. Er hebt die Gesamtkosten um 3.028.622 Euro auf 25.462.468 Euro an. Das sind gut 9 Mio. Euro oder rund 55 Prozent mehr als im Ausführungsbeschluss von 2018 (25.462.468 minus 16.455.100 Euro, geteilt durch 16.455.100 Euro). Der größte Einzelposten der Liste: 897.605 Euro für die Einbruchmeldeanlage der Archive. Das ist knapp ein Drittel der gesamten Mehrkosten.

Die Begründung der Verwaltung fällt knapp aus. Die Archivnutzer und deren Einlagerungswerte hätten sich „partiell“ gegenüber den Ursprungsannahmen verändert, deshalb seien die Anlage und weitere sicherheitsrelevante Einrichtungen anzupassen gewesen. Welche Nutzer und welche Werte gemeint sind, steht nicht in der Vorlage.

Zur Einordnung: Das Reallabor der Bibliothek, das für Veranstaltungen mit bis zu 199 Personen umgebaut wurde, kostete 362.908 Euro. Die Einbruchmeldeanlage ist damit rund zweieinhalbmal so teuer (897.605 geteilt durch 362.908). Eine Pantryküche für das Literaturbüro schlug mit 25.546 Euro zu Buche, die Archivsicherung kostet das Rund-35-Fache.

Bemerkenswert ist auch der Zeitplan. Die Maßnahmen sind laut Vorlage „aufgrund der terminlichen Notwendigkeiten“ schon beauftragt und zum Teil durchgeführt, und zwar im Vorgriff auf die Bewilligung. Der Rat soll erst am 12. November 2026 entscheiden. Er kann das Geld also nur noch nachträglich freigeben. Die Verwaltung führt an, die Vorlage habe wegen der Abstimmung mit der Politik 2025 nicht mehr beschlossen werden können, und 2026 sei die überplanmäßige Mittelbereitstellung wegen der Haushaltsverfügungen nicht möglich gewesen.

Kritik

Wer Archive für wertvolle Bestände einrichtet, muss Nutzer und Einlagerungswerte vor dem Einbau der Sicherheitstechnik klären und nicht erst nachträglich anpassen. Dass fast 900.000 Euro für die Einbruchmeldeanlage fällig werden, zeigt, wie unsauber die Ursprungsplanung war. Hinzu kommt, dass die Aufträge vergeben wurden, bevor der Rat zugestimmt hat. Damit wird das Gremium vor vollendete Tatsachen gestellt und die Kostenkontrolle ausgehebelt. Die Stadt hätte den Bedarf sauber ermitteln, die Kosten vorab vorlegen und erst nach dem Ratsbeschluss beauftragen müssen.

KUA/076/2025/1: 4. Änderungsbeschluss Konrad-Adenauer-Platz 1 (KAP1), Ratsinformationssystem der Stadt Düsseldorf, 22. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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