Staatsbilanz

Stadt/Düsseldorf/Fehlplanung

Online-Kurs über queere Senioren ungenutzt

Düsseldorf zahlt 15.326 Euro für einen Online-Kurs, den niemand nutzen kann, während die Beratungsstelle für queere Ältere schließen musste

Was ist passiert?

Die Landeshauptstadt wollte erreichen, dass Beschäftigte in Seniorenberatungsstellen auch ältere queere Menschen kompetent beraten können. Im Dezember 2024 stellte der Rat dafür 50.000 Euro für Fortbildungen bereit. Das Amt für Soziales und Jugend entschied sich für ein webbasiertes Training statt für Präsenzschulungen. Dadurch, so die Verwaltung, sei ein Großteil des Geldes eingespart worden.

Bei der Software ist davon wenig zu sehen. Für die Lernsoftware Articulate 360 fielen bisher 15.326,01 Euro an: einmalig 4.101,93 Euro für drei Schulungspakete, dazu in den Jahren 2025 und 2026 jeweils drei Lizenzen zu 1.870,68 Euro, zusammen 11.224,08 Euro (2 Jahre × 3 Lizenzen × 1.870,68 Euro). Das sind rund 31 Prozent der bewilligten 50.000 Euro. Fertig produziert war das Training im August 2026, seitdem läuft die Testphase. Nutzen können es die Beschäftigten bislang nicht. Bereitgestellt werden soll es im vierten Quartal 2026, doch der genaue Termin hängt davon ab, ob sich Interviewpartner für geplante Videos finden.

Die Kosten laufen unterdessen weiter. Ab 2027 sollen jährlich 5.612,04 Euro an Lizenzgebühren anfallen. Wer sie bezahlt, ist laut Vorlage offen. Zum Vergleich: Für alle sechs bisher geförderten Sensibilisierungsprojekte standen insgesamt 6.950,02 Euro zur Verfügung. Die Lizenzen allein würden also jedes Jahr rund 81 Prozent dieser Summe benötigen (5.612,04 Euro geteilt durch 6.950,02 Euro).

Denn die Anlaufstelle „Queer im Alter“ stellte ihre Arbeit zum 31. März 2026 ein, weil die Weiterfinanzierung fehlte. Von Januar 2025 bis März 2026 führte sie nach eigenem Bericht 429 Beratungen durch. Die Stadt räumt ein, dass mit den Projektmitteln nur ein Bruchteil der bisherigen Leistungen aufgefangen werden konnte, weil keine Personalkosten mehr getragen werden. Persönliche Beratung durch Vertrauenspersonen sei nicht mehr möglich, es entstehe eine erhebliche Lücke.

Kritik

Eine Schulung, die ein Jahr nach Projektstart noch niemand absolvieren kann, aber bereits Lizenzen für zwei Jahre verbraucht hat, wurde schlecht getaktet. Lizenzen hätte man erst dann beschaffen dürfen, wenn Inhalt und Starttermin feststehen. Dass die laufenden 5.612,04 Euro jährlich nicht gedeckt sind, hätte vor dem Start geklärt werden müssen. Es überzeugt zudem nicht, ein Online-Training zu finanzieren, während die persönliche Beratung, für die es gedacht ist, wegfällt.

AGS/082/2026: "Queer im Alter", Ratsinformationssystem der Stadt Düsseldorf, 9. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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