Staatsbilanz

Stadt/Duisburg/Finanzrisiko

1,17 Millionen für Firma mit 100.000 Euro Umsatz

Duisburg überwies seiner Tochterfirma 1,17 Millionen Euro, obwohl sie nur 100.000 Euro einnahm; das meiste liegt ungenutzt auf dem Konto

Was ist passiert?

Die Duisburger Projektwerke GmbH ist eine kleine Gesellschaft mit 25.000 Euro Stammkapital, die ihr Geld zuletzt mit Werbeverträgen verdiente. Im September 2025 wurde sie im Zuge des Transformationsprozesses der GEBAG an die Stadt übertragen. Seither gehört sie der Stadt Duisburg allein.

Der Rat stimmte im Juni 2025 einem Zuschuss von bis zu 1,5 Mio. Euro zu. Den Mehrbedarf im Haushalt sollten erwartete Mehrerträge bei der Gewerbesteuer decken. Ausgezahlt wurden schließlich 1.167.417 Euro, verbucht als Einzahlung in die Kapitalrücklage. Zugleich schrumpfte das Geschäft: Der Umsatz fiel von 267.131 auf 100.000 Euro, weil die Werbeverträge bei der Neuausrichtung eingestellt wurden. Auf jeden Euro Umsatz kamen damit gut 11 Euro Zuschuss (1.167.417 : 100.000).

Der Jahresfehlbetrag wirkt mit 3.044 Euro winzig. Das liegt aber an einem früheren Gesellschafter, der auf ein Darlehen verzichtete. Daraus stammen 324.821 Euro sonstige betriebliche Erträge. Ohne diese Einmalhilfe stünde ein Verlust von rund 329.000 Euro in den Büchern (4.161 + 324.821). Allein der Personalaufwand lag mit 317.368 Euro mehr als dreimal so hoch wie der Umsatz.

Vom Zuschuss blieb das meiste liegen. Die Bankguthaben stiegen von 305.083 auf 1.016.678 Euro. Nur rund 207.000 Euro verschwanden in der Bilanz, nämlich der alte Fehlbetrag von 204.211 Euro und der Jahresverlust. Das Eigenkapital liegt nun bei 960.162 Euro, die Eigenkapitalquote bei 91,6 Prozent. Die Mittel stünden der Gesellschaft „zur freien Verfügung“, heißt es in der Vorlage. Der Rat soll am 2. Juli 2026 den Abschluss feststellen und die Geschäftsführung entlasten.

Kritik

Die Stadt hat einer Gesellschaft mit 100.000 Euro Umsatz und rund 329.000 Euro Verlust mehr als das Dreifache ihres Bedarfs überwiesen. Das Geld liegt jetzt als Bankguthaben bei einer Tochter, statt im städtischen Haushalt zu arbeiten. Zuschüsse an eine Beteiligung müssen sich am tatsächlichen Verlust orientieren und nach Bedarf fließen, nicht als Vorrat auf einen Schlag. Wer nach dem Ende des Werbegeschäfts nur noch Kosten produziert, sollte zudem klären, ob die Gesellschaft überhaupt weiterbestehen muss.

26-0682: Gesellschafterversammlung der Duisburger Projektwerke GmbH; hier: Jahresabschluss 2025, Ratsinformationssystem der Stadt Duisburg, 29. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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