129,5 Millionen für Duisburgs Wohnungsfirma
Duisburg stützt die städtische Wohnungsfirma GEBAG mit 129,5 Millionen Euro, doch 53 Millionen Euro, die in eine Tochterfirma flossen, sind verloren
Was ist passiert?
Die GEBAG Duisburger Baugesellschaft ist das städtische Wohnungsunternehmen in Duisburg. Ihre Grundstücke mit Wohnbauten und anderen Anlagen stehen mit rund 612 Mio. Euro in der Bilanz, im Jahr 2025 setzte sie gut 104 Mio. Euro um. Als solides Fundament städtischer Wohnungspolitik sollte das eigentlich taugen.
Doch 2024 stand die Gesellschaft am Rand. Sie schrieb einen Jahresfehlbetrag von rund 79 Mio. Euro und kämpfte mit Liquiditätsproblemen. Dem Eigenkapital von 14,6 Mio. Euro standen bei einer Bilanzsumme von 664 Mio. Euro langfristige Schulden von 560,1 Mio. Euro gegenüber. Die Eigenkapitalquote lag bei 2,2 Prozent.
Die Stadt griff 2025 ein. Sie zahlte 68,0 Mio. Euro Eigenkapital ein und verzichtete auf die Rückzahlung von Gesellschafterdarlehen über 61,5 Mio. Euro, die in Eigenkapital umgewandelt wurden. Zusammen sind das 129,5 Mio. Euro, mehr als ein ganzer Jahresumsatz der GEBAG (129,5 : 104,4 = rund 1,24). Die Eigenkapitalquote stieg damit auf 19,1 Prozent. Die Vorlage spricht von einer nachhaltigen Stabilisierung.
Der Blick in die Ergebnisrechnung ist weniger erfreulich. Eine Einlage von 65,0 Mio. Euro in die Tochter Nerra GmbH musste wegen eines negativen Zeitwerts der Beteiligung um 53,0 Mio. Euro abgeschrieben werden. Hinzu kam eine außerplanmäßige Abschreibung von 8,8 Mio. Euro auf eine noch im Bau befindliche Immobilie. Unter dem Strich steht trotzdem ein Jahresüberschuss von 746.204 Euro. Möglich machte ihn vor allem die Zuschreibung von Forderungen gegen die Nerra GmbH, die wegen deren verbesserter Bonität wieder voll angesetzt wurden. Die sonstigen betrieblichen Erträge stiegen dadurch von 26,0 auf 68,3 Mio. Euro. Die Abschreibung auf die Einlage ist rund 71-mal so groß wie der Überschuss (53,0 : 0,746).
Die Zahl der Beschäftigten sank von 239 auf 180. Liquide Mittel von 7,2 Mio. Euro stehen einer Bilanzsumme von 695,1 Mio. Euro gegenüber. Der Rat soll den Abschluss am 2. Juli 2026 feststellen und die Geschäftsführung entlasten.
Kritik
Dass eine städtische Wohnungsgesellschaft binnen eines Jahres 129,5 Mio. Euro Stützung braucht, zeigt, wie weit sie zuvor in die Schieflage geraten war. Ein Überschuss, der vor allem aus der Zuschreibung von Forderungen entsteht, während 53 Mio. Euro einer Einlage abgeschrieben werden, ist kein Beleg für eine gesunde Entwicklung. Er verdeckt, dass gewaltige Summen in eine Tochter geflossen sind, deren Beteiligung nichts wert war. Wer Wohnungsunternehmen mit Steuergeld rettet, muss künftig Großeinlagen vorher auf ihren Wert prüfen und den Erfolg am laufenden Geschäft messen, nicht an Buchungseffekten.
26-0839: Gesellschafterversammlung der GEBAG Duisburger Baugesellschaft mbH; hier: Jahresabschluss 2025, Ratsinformationssystem der Stadt Duisburg, 29. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.