Staatsbilanz

Stadt/Duisburg/Finanzrisiko

4,8 Millionen für Duisburger Forschungsbau

Duisburg zahlt 4,8 Millionen Euro für die Planung eines 104-Millionen-Baus in Wedau, obwohl die Förderzusage erst 2028 kommen soll

Was ist passiert?

Duisburg ist Universitätsstadt, hat aber kein Technologiezentrum. Die Verwaltung verweist darauf, dass Bochum, Dortmund, Düsseldorf und Aachen eines haben und Duisburger Firmen deshalb dorthin ausweichen. Auf dem Wedau-Areal soll nun ein Neubau mit rund 21.000 Quadratmetern Fläche für Labore, Werkstätten und Büros entstehen. Das Geld dafür soll aus den Strukturhilfen für den Kohleausstieg kommen. Die Gesamtinvestition wird auf 103,9 Mio. Euro beziffert, die Förderquote auf 94 Prozent der förderfähigen Kosten. Als Eröffnung ist 2030 vorgesehen, die Betriebskosten sollen sich erst 2037 selbst tragen.

Das Problem liegt im Ablauf. Ein Förderbescheid ergeht erst, wenn die Leistungsphasen 1 bis 3 der Planung nachgewiesen sind. Er wird für Anfang 2028 erwartet. Die Planung muss die Stadt also zuerst bezahlen. Für 2026 sollen 4.806.698 Euro in die städtische Technologiezentrum Wedau GmbH fließen. Zur Deckung kürzt die Stadt den „Ankaufsfonds für Gewerbeflächenaktivierung“ in gleicher Höhe. Von diesem Vorschuss soll am Ende nur ein Eigenanteil von rund 317.000 Euro bei der Stadt bleiben, also gut 6 Prozent (317.403 : 4.776.854). Bei der Gesamtinvestition liegt der Eigenanteil bei 10,9 Mio. Euro, mit Zinsen bei 12,6 Mio. Euro.

Die Vorlage räumt selbst ein, dass die Kosten noch unsicher sind. Vor Abschluss der Planung sei mit einer Kostenvarianz von etwa 40 Prozent zu rechnen. Bei 103,9 Mio. Euro wären das rechnerisch gut 41 Mio. Euro. Hinzu kommen Betriebskosten, die nicht gefördert werden. Für eine hauptamtliche Geschäftsführung samt Team sind ab 2027 rund 537.000 Euro im Jahr eingeplant, dazu bis zu 70.000 Euro für die Personalsuche. Zum Start soll das Zentrum zu 40 Prozent ausgelastet sein. Die Verwaltung nennt das alles „zwingend erforderlich“, um die Förderung überhaupt zu ermöglichen.

Kritik

Die Stadt zahlt die Planung eines 104-Millionen-Projekts aus eigener Tasche, bevor Förderbescheid und belastbare Baukosten vorliegen. Bei einer erwarteten Kostenschwankung von rund 40 Prozent ist unklar, wie groß ihr Anteil am Ende wird. Dass das Geld aus einem Fonds für Gewerbeflächen umgeschichtet wird, zeigt, dass der Vorschuss an anderer Stelle fehlt. Vor weiteren Millionen hätte die Stadt eine feste Kostenobergrenze und einen klaren Ausstieg für den Fall vereinbaren müssen, dass die Förderung ausbleibt oder deutlich geringer ausfällt.

26-0858: Technologiezentrum Wedau GmbH; hier: Sachstand und Mittelbedarfe 2026 und Nachtrag zum Wirtschaftsplan 2026, Ratsinformationssystem der Stadt Duisburg, 23. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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