6,5 Millionen mehr für Straße in Duisburg
In Duisburg-Walsum soll ein Straßenstück für Lastwagen statt 16,9 nun 23,5 Millionen Euro kosten, die Stadt trägt 2,8 Millionen der Mehrkosten
Was ist passiert?
Duisburg (NW). Die Industriebetriebe in Walsum haben keinen eigenen Autobahnanschluss. Ihre Lastwagen rollen deshalb durch dicht bewohnte Viertel zur A 59. Eine neue Umgehungsstraße, die Süd-West-Querspange, soll in vier Bauabschnitten Abhilfe schaffen. Der erste Abschnitt war Ende 2024 fertig, der zweite soll Anfang 2027 straßenbaulich abgeschlossen sein.
Nach der Beschlussvorlage vom 24. April 2026 soll der Rat der Stadt nun die Kosten des zweiten Abschnitts erhöhen: von bisher 16.937.254 Euro um 6.522.404 Euro auf 23.549.658 Euro. Das sind gut 38 Prozent mehr. Wer die beiden Beträge addiert, kommt allerdings nur auf 23.459.658 Euro, also 90.000 Euro weniger als in der Vorlage steht.
Den größten Posten bilden rund 3,2 Mio. Euro für Ersatzpflanzungen. Dieser Grünausgleich war zuvor dem vierten Abschnitt zugeordnet und wird auf Aufforderung der Bezirksregierung Düsseldorf nun auf die Abschnitte verteilt. Die Verwaltung führt ihn trotzdem als Mehrkosten auf. Der Rest stammt aus Nachträgen (rund 1,4 Mio. Euro), Bodengutachten und Entsorgung (rund 0,5 Mio. Euro), Preissteigerungen (rund 0,4 Mio. Euro) und Kampfmittelsondierungen (rund 0,2 Mio. Euro). Bei Letzteren waren deutlich mehr Bereiche nicht auswertbar, als die Ausschreibung nach Erfahrungswerten angenommen hatte. Die Nachträge nennt die Verwaltung „übliches Baustellengeschäft“. Hinzu kommen 916.245 Euro Honorare der städtischen Infrastrukturgesellschaft DIG, die bei der ersten Beschlussfassung gar nicht enthalten waren.
Das Land hat eine Erhöhung der Förderung um 3.702.503 Euro in Aussicht gestellt. Für den Ursprungsantrag galt eine Förderquote von 75 Prozent. Die Mehrkosten sind dagegen nur zu knapp 57 Prozent gedeckt (3.702.503 : 6.522.404). Bei der Stadt bleiben 2.819.901 Euro hängen (6.522.404 minus 3.702.503). Die laufenden Mehrkosten sollen im Haushalt des zuständigen Dezernats aufgefangen werden.
Kritik
Wenn fast die Hälfte der Mehrkosten nur ein verschobener Grünausgleich ist, hätte dieser von Anfang an auf die Abschnitte verteilt werden müssen. Die Kampfmittelrisiken und die Bohrmengen waren absehbar und gehörten in die Ausschreibung, statt später als Mehrmengen aufzutauchen. Nachträge von 1,4 Mio. Euro als „übliches Baustellengeschäft“ abzutun, zeigt einen zu knapp gerechneten Ansatz. Dass die Stadt am Ende 2,8 Mio. Euro selbst tragen soll, sollten Rat und Bürger als Folge dieser Planung verstehen.
23-1376/1: Mehrkostenbeschluss für den 2. Bauabschnitt der Süd-West-Querspange Hamborn/Walsum (Umgehungsstraße Hamborn/Walsum), Ratsinformationssystem der Stadt Duisburg, 27. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.