Brückensanierung fast doppelt so teuer
Die Sanierung der alten Hubbrücke in Duisburg-Walsum kostet 10,7 statt 5,5 Millionen Euro, die Stadt zahlt davon 5,4 Millionen Euro
Was ist passiert?
Die Hubbrücke Königstraße im Duisburger Stadtteil Walsum steht unter Denkmalschutz. Ihr Mittelfeld diente früher als Hubfeld, heute ist die fünffeldrige Brücke ein Sanierungsfall. Seit einer Sonderprüfung im Jahr 2023 darf sie nur noch mit 1,5 Tonnen belastet werden.
Im Jahr 2021 beschloss der Rat der Stadt eine Sanierung für 5,5 Mio. Euro. Nach der aktuellen Kostenberechnung sollen es 10,736 Mio. Euro sein, also 5,236 Mio. Euro mehr. Die Kosten haben sich damit nahezu verdoppelt (10,736 geteilt durch 5,5 ergibt rund 1,95). Die Verwaltung erklärt das mit Korrosionsschäden an Stahlbauten, Übergangskonstruktionen und Vorlandbrücken, die bei der Voruntersuchung 2021 angeblich nicht erkennbar waren. Außerdem müssen Teile der Hubbrücke neu gebaut werden, die zunächst nur instand gesetzt werden sollten. Dazu kommen Preissteigerungen im Stahl- und Korrosionsschutz von bis zu 25 Prozent. Die Mehrkosten seien „unumgänglich und alternativlos“, heißt es in der Vorlage. So sieht es zumindest die Stadtverwaltung.
Besonders bitter für die Stadtkasse: Die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien hatte 50 Prozent der Kosten in Aussicht gestellt, aber höchstens 2,517 Mio. Euro. Eine Erhöhung lehnte sie schriftlich ab. Von den neuen Gesamtkosten deckt der Zuschuss damit nur noch rund 23 Prozent (2,517 geteilt durch 10,736). Hälftig wären es 5,368 Mio. Euro gewesen, also rund 2,85 Mio. Euro mehr. Die STEAG hat laut Grundstückskaufvertrag vom Januar 2022 bereits 2,8 Mio. Euro beigesteuert. Den Rest von 5,419 Mio. Euro (10,736 minus 2,8 minus 2,517) trägt die Stadt Duisburg.
Die Brücke soll während der Arbeiten komplett gesperrt werden. Der Baubeginn ist für das zweite oder dritte Quartal 2027 vorgesehen, die Bauzeit soll 24 Monate betragen, fertig sein soll das Bauwerk Ende 2029. Ab 2030 fallen zusätzlich jährlich 268.400 Euro Abschreibungen und 13.293 Euro Unterhaltung an. Der Rat sollte am 4. Mai 2026 entscheiden, die Umsetzung steht unter dem Vorbehalt, dass der Förderantrag bewilligt wird.
Kritik
Wer ein stark geschädigtes Baudenkmal sanieren will, darf sich nicht auf eine Voruntersuchung verlassen, die die Schäden nicht zeigt. Dass sich die Kosten fast verdoppeln, belegt, dass der Beschluss von 2021 auf einer zu dünnen Grundlage fiel. Weil die Förderung gedeckelt ist, tragen allein die Duisburger jede weitere Steigerung. Vor einem Baubeschluss gehören eine handnahe Untersuchung, eine belastbare Kostenberechnung und eine gesicherte Förderzusage auf den Tisch.
21-1236/1: Denkmalgerechte Sanierung und Instandsetzung der Hubbrücke Königstraße in Duisburg Walsum, Ratsinformationssystem der Stadt Duisburg, 26. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.