Staatsbilanz

Stadt/Duisburg/Fehlplanung

Duisburg plant Rathaus-Neubau und kippt ihn

Duisburg stoppt nach jahrelanger Planung den Neubau für die Verwaltung, weil Mieten plötzlich 196 Millionen Euro billiger sein sollen

Was ist passiert?

Duisburgs Stadtverwaltung sitzt zu großen Teilen in angemieteten Büros. In der Wirtschaftlichkeitsrechnung zählten dazu fünf Mietobjekte mit zusammen 27.819 m² Mietfläche. Ein Neubau an der Steinschen Gasse sollte die Mieten durch ein eigenes Gebäude ablösen.

Der Rat hatte dafür über Jahre die Weichen gestellt: 2021 die erste Machbarkeitsstudie, im November 2023 die Freigabe der Planungsleistungen, im Juni 2024 die zustimmende Kenntnisnahme eines Berichts, der das Eigentum als wirtschaftlich auswies, und im September 2024 die Vorbereitung der Vergabe. Anschließend startete die Verwaltung ein europaweites Verfahren mit integriertem Planungswettbewerb. Ein Siegerentwurf sollte ermittelt und prämiert werden.

Nun, im Juni 2026, soll der Rat das Projekt beenden. Die Vorlage nennt als Grund neu gerechnete Zahlen. Der Büromarkt sei schwach, deshalb setzt die Stadt statt 15,97 Euro nur noch 13,53 Euro Nettokaltmiete je Quadratmeter an, rund 15 Prozent weniger (2,44 Euro geteilt durch 15,97 Euro). Die angesetzte Bruttogrundfläche der Mietobjekte schrumpfte von 42.405 auf 34.321 m², der vermieterseitige Instandhaltungsanteil von 30 auf 14,5 Prozent. Zugleich wurden beim Neubau der Risikoansatz von 15 auf 7,76 Prozent und die Baupreissteigerung von 5,5 auf 2,472 Prozent gesenkt. Unterm Strich kehrte sich die Rangfolge um: Die Anmietung kommt nominal auf 626,1 Mio. Euro, der Neubau auf 822,4 Mio. Euro. Das sind rund 196 Mio. Euro Unterschied (822,4 minus 626,1).

Das Vergabeverfahren soll aufgehoben werden. Damit haben die Bieter Anspruch auf Ersatz ihrer Aufwendungen. Wie hoch dieser Betrag ausfällt und was die bisherige Planung gekostet hat, nennt die Vorlage nicht. Die Zahlen sollen in einer späteren Vorlage folgen. Die Verwaltung versichert, die Anmietung sei auch unter Einbeziehung der bereits entstandenen Kosten die wirtschaftlichere Variante.

Kritik

Wenn sich ein Vergleich innerhalb weniger Monate um fast 200 Mio. Euro zugunsten der Miete dreht, war die Rechnung vor dem Start des Vergabeverfahrens nicht belastbar genug. Die Mietannahmen, Flächen und Risikoansätze hätten geprüft werden müssen, bevor Bieter Entwürfe erarbeiten und dafür Ersatz verlangen können. Jetzt zahlen die Duisburger für Planung und Wettbewerb eines Gebäudes, das nie gebaut wird. Der Rat sollte die Kosten des Abbruchs offenlegen und künftig erst dann ausschreiben, wenn die Wirtschaftlichkeitsrechnung gegen Marktveränderungen abgesichert ist.

26-0712: Projekt Neues Verwaltungsgebäude (NVG) hier: weiterer Projektablauf, Ratsinformationssystem der Stadt Duisburg, 25. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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