Duisburg vergaß die Busse beim Straßenbau
Die Sermer Straße in Duisburg kostet 1,2 Millionen statt 850.000 Euro, 90.000 Euro davon, weil sie für Busse zu schwach geplant war
Was ist passiert?
Die Sermer Straße verbindet die Duisburger Stadtteile Serm und Mündelheim und führt an Wohnhäusern vorbei. Sie ist 5,00 m breit und hat keine befestigten Gehwege. Für die Feuerwehr gehört sie zum Vorbehaltsnetz, in dem 6,50 m Fahrbahnbreite vorgesehen sind. Deshalb beschloss der Rat am 23. September 2024 den Ausbau mit breiterer Fahrbahn, Gehwegen auf beiden Seiten und einem Parkstreifen für Längsparker. Das Ganze sollte 850.000 Euro kosten.
Anderthalb Jahre später soll der Rat nun 1,2 Mio. Euro bewilligen. Das sind 350.000 Euro mehr, rechnerisch gut 41 Prozent (350.000 geteilt durch 850.000). Die Verwaltung nennt drei Gründe. Rund 160.000 Euro gehen auf gestiegene Baupreise zurück. Weitere rund 100.000 Euro entfallen auf ein neues Bodengutachten mit mehr Bohrpunkten. Der Aushub wurde den Deponieklassen I, II und III zugeordnet und muss entsprechend aufwendig entsorgt werden.
Der dritte Posten ist der bemerkenswerteste. Rund 90.000 Euro kostet es, dass der Linienbusverkehr bei der Bemessung des Straßenaufbaus zunächst nicht angemessen berücksichtigt wurde. Angesetzt war die Belastungsklasse Bk1,0, erforderlich ist Bk3,2. Auf einer Verbindungsstraße zwischen zwei Stadtteilen fiel der Bus also erst bei einer späteren technischen Überprüfung der Planungsunterlagen auf. Die Verwaltung hält alle Mehrkosten für „sachlich und technisch begründbar“.
Was am Ende bei der Stadt hängen bleibt, hängt vom Grunderwerb ab. Die Rückeinnahmen steigen von 519.000 auf 815.000 Euro, darunter 340.000 Euro, die das Land für die Fahrbahn erstattet. Nach Abzug bleiben 385.000 Euro (1.200.000 minus 815.000) bei der Stadt. Fehlt noch Grundstücksfläche für den Gehweg, fallen rund 280.000 Euro Erschließungsbeiträge zunächst aus, und es wären 665.000 Euro. Ab 2027 kommen jährlich 9.830 Euro Ergebnisverschlechterung hinzu. Der Bau soll im dritten Quartal 2026 beginnen und fünf Monate dauern.
Kritik
Dass auf einer Verbindungsstraße zwischen zwei Stadtteilen Linienbusse fahren, hätte schon bei der ersten Planung auffallen müssen. Die 90.000 Euro für den verstärkten Aufbau sind damit ein vermeidbarer Planungsfehler und keine Kostensteigerung durch äußere Umstände. Auch Baugrund und Entsorgungskosten des Aushubs gehören vor einen Baubeschluss und nicht hinterher in einen Mehrkostenbeschluss. Wer dem Rat 850.000 Euro vorlegt, sollte eine Summe nennen, die nicht schon nach anderthalb Jahren um rund 41 Prozent überholt ist.
26-0114: Mehrkostenbeschluss für den Ausbau der Sermer Straße von Barberstraße bis Grenze Außenbereich bei Haus Nr.64 in Duisburg-Mündelheim, Ratsinformationssystem der Stadt Duisburg, 13. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.