Schulanbauten: Planung fast dreimal so teuer
Für Anbauten an 15 Schulen in Duisburg sollen die Planungskosten von 5,8 auf 14,6 Millionen Euro steigen, weil Gebäude und Flächen falsch erfasst wurden
Was ist passiert?
Ab dem Schuljahr 2026/2027 gilt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Damit Duisburg genügend wohnortnahe Plätze anbieten kann, sollen Grund- und Förderschulen Anbauten für den offenen Ganztag erhalten. Ursprünglich standen 18 Standorte auf der Liste, inzwischen sind es noch 15. Für deren Planung hatte die Stadt in zwei Beschlüssen 5.769.900 Euro bewilligt.
Nun soll der Rat im Juli 2026 die Planungskosten auf 14.616.900 Euro anheben. Das sind 8.847.000 Euro mehr. Je Standort steigt der Betrag von 384.660 Euro (5.769.900 geteilt durch 15) auf 974.460 Euro (14.616.900 geteilt durch 15), also auf das rund 2,5-Fache.
Die Verwaltung führt dafür eine ganze Reihe von Gründen an. Die Planung soll um die Leistungsphase 5 erweitert werden, damit der Terminplan nicht unterbrochen wird. Die ersten Kosten waren als Prozentsatz in Anlehnung an die HOAI gerechnet worden. Hinzu kommen Vorleistungen wie Kanaluntersuchungen und Messungen der Elektro- und Heizkapazitäten sowie die Planung der Küchen. Außerdem war die Bruttogrundfläche zunächst nur über einen Kennwert geschätzt worden, weil noch kein Grundriss vorlag. Erst danach kamen Flure, WCs, Fluchttreppen und Heizungsräume dazu.
In den Einzelfällen wird es anschaulicher. Bei der Alfred-Adler-Schule bezog sich die Kostenermittlung nur auf das Erdgeschoss mit 525 Quadratmetern, das Staffelgeschoss fehlte. Die Planungskosten stiegen dort von 264.000 auf 887.063 Euro, mehr als das Dreifache. An der Tonstraße, der Nombericher Straße und der Marktstraße standen ein Pavillon, ein WC-Haus und ein leeres Hausmeisterhaus auf dem Baufeld. Das wurde laut Vorlage erst „im Laufe der Standortanalyse erfasst“. An der Eschenstraße kamen sechs Gruppenräume dazu, die zuvor nicht gemeldet waren. Die Pestalozzistraße fiel ganz weg, weil dort Stromleitungen im Baufeld verlaufen.
Die geschätzten Projektkosten der 15 Standorte wuchsen von zusammen 67,4 auf 96,9 Mio. Euro. Der Anteil der Planung daran stieg damit von rund 9 auf rund 15 Prozent. Die Förderung beträgt 22.003.489 Euro und kann nach den Förderbedingungen derzeit nicht erhöht werden. Sie deckt damit nur etwa ein knappes Viertel der Projektkosten. Gespart werden soll durch eine „kritische Bedarfsprüfung“.
Kritik
Dass Pavillons, WC-Häuser und Stromleitungen auf dem Baufeld stehen und ein ganzes Geschoss fehlt, hätte vor dem ersten Planungsbeschluss auffallen müssen, denn ein Ortstermin und ein Blick in den Bestand kosten wenig. Wer Planungskosten über einen Kennwert schätzt, ohne Grundriss und ohne Standortprüfung, bekommt am Ende einen Betrag, der das 2,5-Fache übersteigt. Weil die Förderung gedeckelt ist, bleibt jeder weitere Euro an der Stadt hängen. Statt einer Bedarfsprüfung in Aussicht zu stellen, hätte die Stadt Standorte und Flächen vor dem Beschluss prüfen und die Kosten dann belastbar vorlegen müssen.
26-0652: Planung von baulichen Erweiterungen an insgesamt fünfzehn Grund- und Förderschulstandorten; hier: Konkretisierung der voraussichtlichen Kosten, Ratsinformationssystem der Stadt Duisburg, 3. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.