Staatsbilanz

Stadt/Erfurt/Fördergeld-Mitnahme

7,5 Millionen Euro für eine kleine Eishalle

Erfurt baut die Eishalle auf 7,5 Millionen Euro aus, weil der Bund 3,4 Millionen zahlt, und muss 4,1 Millionen selbst tragen, ungeplant

Was ist passiert?

Die Landeshauptstadt Erfurt betreibt über ihren Erfurter Sportbetrieb mehrere Sportstätten, darunter eine kleine Eishalle. Ein Bundesprogramm zur Sanierung kommunaler Sportstätten sollte dafür Geld bereitstellen.

Am 23. April 2026 teilte das zuständige Bundesinstitut mit, dass die Sanierung und Erweiterung der Eissporthalle mit 3.379.113 Euro gefördert werden soll. Erfurt war dabei eine von nur zwei Eishallen im Programm, die andere steht in Mittenwald. Es handelt sich um einen Festbetrag, der bis 2031 abgerufen werden kann.

Was folgte, ist bemerkenswert. Die Vorlage der Verwaltung erklärt offen, dass auf Basis der „in Aussicht“ gestellten Förderung mit einer Gesamthöchstsumme von rund 7,5 Mio. Euro eine Maßnahme „kreiert“ wird. Sie umfasst einen Anbau im Süden, außerdem die Sanierung des nördlich und westlich angrenzenden Anbaus samt Sitztribüne, der als Ergänzungsneubau entstehen soll. Erst die Fördersumme, dann der Bedarf: So lässt sich die Reihenfolge wohl beschreiben.

Für die Stadt hat das Folgen. Die Förderung deckt nur 45 Prozent. Die übrigen 4.130.051 Euro muss Erfurt aus eigener Tasche tragen. Das sind gut 55 Prozent der Gesamtsumme (3.379.113 Euro plus 4.130.051 Euro ergeben 7.509.164 Euro; 4.130.051 geteilt durch 7.509.164 ergibt 0,55). Je Euro Zuschuss legt die Stadt rund 1,22 Euro drauf (4.130.051 geteilt durch 3.379.113). Bei der Leichtathletikhalle, die laut Schätzung 12,2 Mio. Euro kostet, soll der Eigenanteil dagegen 1.220.000 Euro betragen. Die Eishalle verlangt damit fast das Dreieinhalbfache an Eigenmitteln (4.130.051 geteilt durch 1.220.000 ergibt 3,4).

Die Maßnahme ist im Wirtschaftsplan 2026/2027 nicht enthalten. Der Stadtrat sollte am 24. Juni 2026 über die Beteiligung entscheiden. Das Geld soll der Verwaltung zufolge später im städtischen Haushalt bereitgestellt werden. Dringlich sei alles, weil der Förderantrag voraussichtlich im dritten Quartal 2026 fällig ist. Bis dahin muss die Planung der gewählten Variante erst noch angeschoben werden, um überhaupt ein „belastbares Projekt“ vorlegen zu können.

Kritik

Ein Bauvorhaben sollte aus einem nachgewiesenen Bedarf entstehen und nicht aus der Höhe eines in Aussicht gestellten Zuschusses. Wer eine Maßnahme auf 7,5 Mio. Euro aufbläht, damit die Förderung voll ausgeschöpft wird, gibt am Ende mehr als 4 Mio. Euro eigenes Geld aus, das gar nicht eingeplant war. Erfurt hätte zuerst klären müssen, was an der kleinen Eishalle wirklich nötig ist, und nur diesen Teil beantragen sollen. Ein Zuschuss, der die Stadt mehr als das Eineinhalbfache seiner Höhe kostet, ist kein Geschenk.

1208/26: Projektaufruf für Bundesprogramme "Förderung des Stützpunktsystems und der Baumaßnahmen für den Spitzensport" bzw. "SKS 2026", Ratsinformationssystem der Stadt Erfurt, 3. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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