Staatsbilanz

Stadt/Erfurt/Kostensteigerung

760.000 Euro mehr für Erfurter Sporthalle

Erfurt zahlt für die Renovierung einer Schulsporthalle statt 500.000 nun 1,26 Mio. Euro, weil der Basketballverein die Mehrkosten nicht tragen kann

Was ist passiert?

Am Erfurter Südpark steht eine alte Zwei-Feld-Schulsporthalle. Der Verein Basketball Löwen e. V. soll sie unter eigener Regie sanieren, Arbeitstitel „Löwenpark“. Möglich machte das ein Bundesförderprogramm für die Sanierung kommunaler Sport-, Jugend- und Kultureinrichtungen. Die Stadt gibt ihren Anteil über den Erfurter Sportbetrieb an den Verein weiter.

Der Plan sah förderfähige Gesamtkosten von 2,5 Mio. Euro vor. Davon sollte die Stadt 500.000 Euro tragen, der Bund 1,125 Mio. Euro, und Spenden sollten 875.000 Euro beisteuern. Im April 2026 teilte der Verein mit, die Kosten stiegen auf 3.473.100 Euro, also um rund 973.000 Euro. Die Begründung: Baupreise, zusätzliche Nebenkosten, nachträgliche Planungsanpassungen, unvorhersehbare Befunde im Altbau und Mehraufwand bei Vergabe und Genehmigung. Den Mehrbedarf könne er nicht aus eigenen Mitteln decken, erklärte der Verein.

Zusätzlich wurde dem Verein nach einer Prüfung des Finanzamts nur ein vorläufiger Vorsteuerabzug von 58 Prozent gewährt. Nach den Regeln des Förderbescheids kann das die Bundesmittel schmälern. In der Mehrbedarfsrechnung sinken sie im ungünstigen Fall von 1,125 Mio. auf rund 1,02 Mio. Euro, ein Minus von etwa 104.000 Euro. Eine Antwort des Fördergebers steht aus.

Die Stadt will nun einspringen. Ihr Anteil soll um 760.000 Euro auf 1,26 Mio. Euro steigen. Er läge damit bei gut 36 Prozent der Gesamtkosten (1,26 Mio. : 3,47 Mio.), zuvor waren es 20 Prozent (500.000 : 2,5 Mio.). Die Stadt übernähme rund 78 Prozent des Kostenzuwachses (760.000 : 973.000), die Spenden bleiben bei 875.000 Euro. Das Geld stammt aus nicht verbrauchten Zuschüssen für die Bäder aus dem Jahr 2025. Die Stadt sieht es als nötig an, um die Gesamtmaßnahme und bereits bewilligte Fördermittel nicht zu gefährden.

Kritik

Wer ein Vorhaben unter eigener Regie übernimmt, muss auch das Kostenrisiko tragen können. Hier springt die Stadt ein, sobald der Verein nicht mehr weiterkommt, und ihr Anteil steigt um mehr als das Zweieinhalbfache. Dass der Vorsteuerabzug erst nach Baubeginn geklärt wurde, hätte vor der Zusage von Fördergeld feststehen müssen. Die Stadt hätte ihren Zuschuss von Anfang an deckeln und dem Verein die Mehrkosten überlassen sollen. Stattdessen verschwinden nicht verbrauchte Mittel aus dem Bäderbetrieb in einem Verein, dessen Planung offenbar nicht trug.

1089/26: Anpassung des Vermögensplans zum Wirtschaftsplan 2026/2027 des Erfurter Sportbetriebes, Ratsinformationssystem der Stadt Erfurt, 3. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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