Bund zahlt für Erfurter Eishalle nur die Hälfte
Für die kleine Eishalle in Erfurt gibt der Bund nur 3,4 statt 6,9 Millionen Euro, die Stadt zahlt 11,9 statt 8,4 Millionen
Was ist passiert?
Erfurt (TH). Neben der großen Halle gibt es in Erfurt eine kleine Eishalle, die von Vereinen und Schulen genutzt wird. Sie soll saniert und erweitert werden. Dafür meldete der Erfurter Sportbetrieb das Vorhaben beim Bundesprogramm zur Sanierung kommunaler Sportstätten an. Erwartet wurden rund 6,9 Mio. Euro Förderung netto, der städtische Eigenanteil sollte bei 8,4 Mio. Euro liegen.
Dann kam im April 2026 der Bescheid aus Berlin: Es soll nur ein Festbetrag von 3.379.113 Euro fließen. Die Lücke von rund 3,5 Mio. Euro (6,9 minus 3,38) bleibt an der Stadt hängen. Bei Gesamtkosten von 15,3 Mio. Euro stiege ihr Anteil auf 11,9 Mio. Euro, also auf 78 Prozent (11,9 geteilt durch 15,3). Zudem wäre die Halle mindestens zwei Eissaisons lang nicht nutzbar. Eine Übergangslösung vor Ort kostet laut Verwaltung weitere Millionen, taugliche Ausweichhallen liegen in Ilmenau, Waltershausen, Crimmitschau, Kassel oder Halle (Saale).
Der Rückschlag kam nicht aus heiterem Himmel. Die Verwaltung schreibt selbst, dass schon in der früheren Vorlage auf Probleme hingewiesen wurde: Das Programm schloss gewerbliche Nutzung eigentlich aus, die Halle wird aber unstrittig gewerblich genutzt. Deshalb konnte sie nur brutto angemeldet werden, obwohl der Betrieb vorsteuerabzugsberechtigt ist. Weitere Abzüge drohen, falls vorwiegend kommerziell genutzte Teile wie die Tribüne als nicht förderfähig gelten.
Nun soll eine abgespeckte Variante 2 her: 7,5 Mio. Euro Gesamtkosten, 45 Prozent Förderung, 4,13 Mio. Euro Eigenanteil über einen Nachtragshaushalt. Ob die Abweichung vom Antrag überhaupt mitgetragen wird, ist ungeprüft. Der Stadtrat sollte Ende Juni 2026 entscheiden, was daraus wurde, ist unbekannt.
Kritik
Wer ein 15-Millionen-Projekt auf eine Förderung stützt, bei der die eigene Verwaltung die Ausschlussgründe kennt, plant mit dem Prinzip Hoffnung. Dass die Halle gewerblich genutzt wird und nur brutto angemeldet werden konnte, war vorher bekannt und hätte in die Kalkulation gehört. Sinnvoller wäre gewesen, das Vorhaben von Anfang an so zu schneiden, dass es auch ohne die erhoffte Bundessumme tragfähig ist. Nun muss die Stadt zwischen Millionenlücke, Kompromissplanung und Ausfall der Halle wählen, während die Steuerzahler jede Option bezahlen.
1061/26: Grundsatzbeschluss zur weiteren Vorgehensweise im Zusammenhang mit der Sanierung der kleinen Eishalle (Variantenuntersuchung), Ratsinformationssystem der Stadt Erfurt, 3. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.