400.000 Euro für Schießstände auf Zeit
Hannover baut im Rathaus Bemerode für 400.000 Euro zwei Schießstände für einen Verein, der sie nur etwa zwei Jahre nutzen soll
Was ist passiert?
Im Stadtteil Bemerode soll ein neues Gymnasium entstehen, und zwar auf der Sportanlage „Am Sandberge“. Dafür wird das dortige Schützenheim der Schützengesellschaft Bemerode abgerissen. Parallel plant die Stadt ein gemeinsames Vereinsgebäude für den TSV Bemerode und die Schützen. Bis es steht, braucht der Verein ein Dach über dem Kopf.
Die Stadt fand es im Untergeschoss des Rathauses Bemerode, in den Räumen der früheren Gaststätte „Excalibur“. Dort entstehen zwei Schießstände für das Luftdruckschießen samt Vereins-, Büro- und Nebenräumen. Die Nutzung ist für voraussichtlich zwei Jahre vorgesehen, die Arbeiten sollen im zweiten Quartal 2027 fertig sein. Die Verwaltung betont, man nutze die Räume „weitgehend im Bestand“ und baue nur im nötigen Umfang um. Die Klimawirkungsprüfung lobt sogar den geringen Materialeinsatz.
Die Kostenberechnung erzählt eine andere Geschichte. Elektroinstallation, Heizung und Sanitäranlagen werden neu aufgebaut, dazu kommt eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Hinzu kommen Schallschutzvorsatzschalen, Rasterdecken, neue Böden und Türen, darunter eine einbruchhemmende Tür für den Waffenraum. Allein die technischen Anlagen schlagen mit 167.000 Euro zu Buche, das sind gut 40 Prozent der Summe. Die Baunebenkosten machen weitere 109.000 Euro aus. Auf die Zwischensumme von 344.000 Euro schlägt die Stadt pauschal 15 Prozent für Preissteigerungen und Unvorhergesehenes auf. Am Ende stehen 400.000 Euro, bezahlt aus Rückstellungen des Jahres 2025. Auf die zwei Jahre gerechnet (400.000 Euro geteilt durch 24 Monate) sind das rund 16.700 Euro pro Monat. Ein Aufzug für Menschen mit Behinderung wäre der Stadt dagegen zu teuer gewesen, auch ein barrierefreies WC entfällt.
Der Stadtbezirksrat, der Bauausschuss und der Verwaltungsausschuss stimmten im August und September 2026 jeweils einstimmig zu.
Kritik
Wer ein Gebäude nur zwei Jahre lang nutzt, sollte nicht fast die Hälfte des Budgets in neue Haustechnik stecken. Die Aussage, es werde „im Bestand“ mit geringem Aufwand gearbeitet, passt nicht zu einer vollständig neu aufgebauten Elektro-, Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärtechnik. Eine echte Interimslösung hätte mit dem Vorhandenen auskommen oder deutlich schlanker ausfallen müssen. Dass sämtliche Gremien einstimmig zustimmten, ersetzt keine Wirtschaftlichkeitsprüfung für eine Schießanlage auf Zeit.
1487/2026: Verwaltungsgebäude Rathaus Bemerode, Interimsunterbringung für die Schützengesellschaft Bemerode, Ratsinformationssystem der Stadt Hannover, 2. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.