Zwölf Jahre bis zum Alarm
Die Stadt Hannover stockt die Alarmanlage einer Grundschule von 345.000 auf 552.000 Euro auf, 60 Prozent mehr als beschlossen.
Was ist passiert?
Die Gebrüder-Körting-Schule ist eine Grundschule im Stadtbezirk Ahlem-Badenstedt-Davenstedt. Ihre Alarmierungsanlage und die Sicherheitsbeleuchtung sollten dort an die aktuellen gesetzlichen Vorschriften angepasst und teilweise erweitert werden. Die Stadt Hannover beschloss dafür 2015 ein Budget von 345.000 Euro, und im Sommer desselben Jahres begannen die Arbeiten.
Doch schon Ende 2015 stockte das Vorhaben, weil die Finanzierung über Rückstellungsmittel nur bis zum Jahresende gesichert war. Auch als das Geld 2016 wieder bereitstand, fehlten der Verwaltung die Kapazitäten. Die Ausführungsplanung wurde erst 2018 ergänzt, ab 2019 wurde wieder gebaut, und zwar nur in den Schulferien. Als Fertigstellung war Ostern 2020 vorgesehen.
Stattdessen ruhte die Baustelle wegen Corona von März bis Herbst 2020. Danach erbrachte der Auftragnehmer nach Angaben der Stadt pflichtwidrig keine Leistungen mehr. Hannover hielt dennoch an ihm fest, weil ein neuer Anbieter vermutlich höhere Preise verlangt hätte. Mitte 2022 kündigte das Planungsbüro, die Stadt plante in Eigenleistung weiter. Anfang 2023 ging es auf der Baustelle weiter. Erst dabei wurden Schadstoffe im Kriechkeller erkannt, sodass Schutzmaßnahmen, Schulungen und ärztliche Untersuchungen für die Beschäftigten der Firma nötig wurden. Der Auftragnehmer war inzwischen nicht mehr an seine alten Preise gebunden und legte im Frühjahr 2026 ein Nachtragsangebot vor.
Die Rechnung der Verwaltung: 180.000 Euro Mehrkosten für Schadstoffschutz, Preissteigerungen und Corona, dazu ein pauschaler Aufschlag von 15 Prozent (27.000 Euro) für Indexsteigerungen und Unvorhersehbares. Das ergibt 207.000 Euro, also 60 Prozent mehr als die ursprünglichen 345.000 Euro (207.000 geteilt durch 345.000). Die Gesamtkosten steigen auf bis zu 552.000 Euro. Die drei Ausschüsse stimmten im September 2026 einstimmig zu. Gebaut werden soll nun von Herbst 2026 bis Sommer 2027, gut sieben Jahre nach dem ursprünglich geplanten Termin Ostern 2020 und rund zwölf Jahre nach dem Beschluss.
Kritik
Eine Alarmanlage für eine Grundschule gehört zu den Dingen, die zügig und ohne Dauerbaustelle erledigt sein müssen. In Hannover wurde sie über Jahre durch Finanzierungslücken, fehlende Planungskapazität und einen säumigen Auftragnehmer ausgebremst, und jede Verzögerung verteuerte das Projekt weiter. Dass die Schadstoffe im Kriechkeller erst nach Baubeginn auffielen, zeigt, dass der Bestand vor dem Beschluss nicht gründlich genug geprüft wurde. Wer ein Projekt mit gesicherter Finanzierung und vollständiger Planung startet, hätte es in einem Bruchteil der Zeit und zu deutlich geringeren Kosten abschließen können.
1714/2026: GS Gebrüder-Körting-Schule, Anpassung der Elektroakustischen Anlage (ELA) und der Sicherheitsbeleuchtung (SiBel) an aktuelle gesetzliche Vorschriften Budgeterhöhung, Ratsinformationssystem der Stadt Hannover, 2. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.