Staatsbilanz

Stadt/Hannover/Imagepflege

4,8 Millionen Euro für Sport-Meisterschaften

Bei den Finals 2026 in Hannover zahlt die öffentliche Hand 21 Meisterschaften, fünf davon ganz ohne Geld von Verbänden oder Sponsoren

Was ist passiert?

Hannover richtet 2026 die Finals aus, ein Großereignis, bei dem zahlreiche Deutsche Meisterschaften an einem Ort stattfinden, von der Arena bis zum Opernplatz und vom Maschsee bis zum Steinhuder Meer. Die Stadt soll damit Sport und Publikum zusammenbringen, die Meisterschaften sind überwiegend kostenlos zu besuchen.

Das Geld fließt über Zuwendungen an die Fachverbände. Für 21 Meisterschaften bewilligte die Stadt zusammen 4.791.600 Euro. Das Land Niedersachsen gibt davon 3 Mio. Euro, der Rest wird je zur Hälfte von Stadt und Region getragen. Auf die Stadt entfallen damit 895.800 Euro (4.791.600 minus 3.000.000 ergibt 1.791.600, davon die Hälfte).

Am tiefsten greift die Stadt für das Turnen in die Tasche. Der Deutsche Turner-Bund erhält für Gerätturnen, Rhythmische Sportgymnastik und Trampolinturnen in der ZAG-Arena bis zu 780.500 Euro. Seine Ausgaben sind mit 963.650 Euro veranschlagt, die Zuwendung deckt also 81 Prozent. Eintrittsgelder sollen nur 142.500 Euro bringen. Zum Vergleich: Die Judo-Meisterschaft kostet mit 103.100 Euro nur etwa ein Siebtel dessen. Der Turner-Bund allein bekommt 16 Prozent der gesamten Zuwendungssumme.

Bei fünf Meisterschaften, nämlich Judo, Karate, Speed-Klettern, Flag-Football und Rugby, besteht die gesamte Finanzierung aus der Zuwendung. Weder Startgelder noch Sponsoren sind eingeplant. Beim Speed-Klettern etwa sollen 278.500 Euro fließen, davon 214.400 Euro allein für Sportstätte und Aufbauten.

Die Verwaltung begründet das Paket mit dem Konzept der Finals, das allen gesellschaftlichen Gruppen die Teilhabe ermögliche. Für Toiletten, Sicherheit, Strom und LED-Technik schreibt sie zentral aus, weil das billiger sei als Einzelvergabe. Dafür bleiben vom Budget von 5,2 Mio. Euro noch 408.400 Euro übrig. Der Ausschuss für Sport und der Verwaltungsausschuss stimmten einstimmig zu.

Kritik

Wenn Verbände ihre Meisterschaft zu 81 Prozent oder gar vollständig aus öffentlichen Mitteln bezahlt bekommen, trägt die öffentliche Hand praktisch das gesamte Risiko, während der Ausrichter kaum etwas einsetzt. Ein Eigenanteil der Verbände durch Sponsoring, Startgelder und Eintritt wäre selbstverständlich. Zuwendungen von bis zu 780.500 Euro für eine einzelne Meisterschaft stehen in keinem Verhältnis zu einem Sportereignis, das ohnehin überwiegend kostenlos besucht werden soll. Die Stadt hätte klare Obergrenzen je Meisterschaft und eine Mindestbeteiligung der Verbände festlegen müssen.

0665/2026: Zuwendungen an die Sportverbände für die Ausrichtung von Deutschen Meisterschaften im Rahmen der Finals 2026 in der Region Hannover, Ratsinformationssystem der Stadt Hannover, 13. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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