Staatsbilanz

Stadt/Hannover/Fördergeld-Mitnahme

625.000 Euro für Trinkerpark am Bahnhof

Hannover will hinter dem Hauptbahnhof einen Parkplatz mit Zaun zur Trinkerfläche umbauen, 125.000 Euro Eigenanteil sind nicht gedeckt

Was ist passiert?

Hinter dem Hauptbahnhof, an der Augustenstraße, steht heute ein nahezu vollständig versiegelter Parkplatz. Nebenan entstehen ein Tagestreff und eine Notschlafstelle für wohnungslose Menschen, Fertigstellung Anfang 2027. Seit dem 1. Mai 2026 gilt im und um das Bahnhofsgebäude ein Alkoholverbot der Deutschen Bahn. Die Stadt will der betroffenen „Klientel“, wie es in der Vorlage heißt, deshalb eine „Akzeptanzfläche in der zweiten Reihe“ anbieten.

Dafür soll der Parkplatz zu einer mindestens 800 Quadratmeter großen Grünfläche werden, mit großgewachsenen Bäumen, Pergolen, Tischtennisplatten und Tor zur Straße. Nachts soll sie geschlossen werden. Finanziert werden soll das Ganze über ein Bundesprogramm zur Klimaanpassung, das bis zu 80 Prozent der Kosten übernimmt. Die Verwaltung sieht im sozialen Zweck sogar ein „Alleinstellungsmerkmal“, das beim Bund „besondere Beachtung“ finden könnte.

Die grobe Schätzung: 450.000 Euro für die Herstellung, 85.000 Euro allein für den Zaun samt Toranlage, je 10.000 Euro für Zisterne und Altlastengutachten sowie 70.000 Euro Planung. Das ergibt 625.000 Euro. In der Tabelle steht für die Planung allerdings auch der Betrag 100.000 Euro. Mit ihm ginge die Summe nicht auf. Bei 800 Quadratmetern kostet jeder rund 780 Euro (625.000 : 800). Möglicherweise kommen noch bis zu 160.000 Euro für Altlastensanierung, Toilette und Pissoir hinzu.

Der städtische Anteil beträgt 125.000 Euro. Zugleich räumt die Vorlage ein, dass im zuständigen Dezernat derzeit keine Haushaltsmittel dafür bereitstehen. Auch Bänke, Security, Pflege und Reinigung sind nicht förderfähig und ohne Preis aufgeführt. Die Fachausschüsse erhielten die Vorlage wegen der Bewerbungsfrist nur zur Kenntnis. Der Rat beschloss die Bewerbung am 25. Juni 2026 bei zwei Enthaltungen.

Kritik

Ein Klimaprogramm des Bundes wird hier als Geldquelle für ein sozialpolitisches Vorhaben genutzt, das mit einer Kostenschätzung „ohne Gewähr“ und ohne gesicherten Eigenanteil auf den Weg gebracht wird. 85.000 Euro für einen Zaun um eine Fläche, die zugleich „offen“ und „freiwillig“ sein soll, sind schwer zu vermitteln. Wer sich bewirbt, muss vorher wissen, woher Eigenanteil, Aufsicht und Unterhalt kommen, denn diese Folgekosten bleiben dauerhaft bei der Stadt. Auch gefördertes Geld ist Steuergeld, und eine Fläche für 625.000 Euro braucht ein belastbares Finanz- und Betreuungskonzept, bevor sie beantragt wird.

1422/2026: Interessenbekundung zum Bundesprogramm des BBSR "Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel" / Förderaufruf 2026, Ratsinformationssystem der Stadt Hannover, 25. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

Weitere Vorgänge aus Hannover

  1. 09.09.2026HannoverAusgabe mit Nachfrage 6,8 Millionen für Sportplätze eines Vereins 6,84 Mio. € Hannover gibt dem TSV Bemerode 6,84 Millionen Euro für Tennisplätze, Mähroboter und Padel-Platz, dazu kommen jährlich 396.866 Euro Folgekosten
  2. 02.09.2026HannoverAusgabe mit Nachfrage 400.000 Euro für Schießstände auf Zeit 400.000 € Hannover baut im Rathaus Bemerode für 400.000 Euro zwei Schießstände für einen Verein, der sie nur etwa zwei Jahre nutzen soll
  3. 02.09.2026Hannover Zwölf Jahre bis zum Alarm 552.000 € Die Stadt Hannover stockt die Alarmanlage einer Grundschule von 345.000 auf 552.000 Euro auf, 60 Prozent mehr als beschlossen.

Neue Vorgänge per E-Mail

Auswahl ändern

Neue Vorgänge per E-Mail

Bestätigung per E-Mail, Abmeldung jederzeit. Datenschutz