Staatsbilanz

Stadt/Hannover/Folgekosten

Hilfe für Eltern an Schule ohne Geld

Für ein Elterntreff an der Fichteschule in Hannover fehlen im Haushalt 135.000 Euro im Jahr, der Anbieter verlangt sogar 174.160 Euro

Was ist passiert?

Die Fichteschule im Hannoveraner Stadtteil Hainholz ist eine Grundschule mit vielen mehrsprachig aufwachsenden Kindern und seit 2024/25 im Programm StartChancenSchule. Die Johanniter gestalten dort seit 2014/15 den Ganztag und betreiben in der Nähe bereits ein eigenes Familienzentrum. Auf einen Haushaltsantrag von CDU, SPD und FDP aus dem Oktober 2024 hin sollte die Verwaltung ein Pilotprojekt prüfen. Im August 2026 legte sie ihren Stand vor: Ab dem Schuljahr 2026/27 soll an der Fichteschule ein Familienzentrum entstehen, getragen von den Johannitern. Vorgesehen sind eine Koordinationskraft und eine Betreuungskraft mit jeweils 30 Wochenstunden. Die Kosten beziffert die Stadt auf rund 135.000 Euro pro Schuljahr. Im städtischen Haushalt stehen dafür aktuell keine Mittel bereit.

Die Kostentabelle derselben Drucksache hält dagegen fest: „Es entstehen keine finanziellen Auswirkungen.“ Eine Ausgabe, für die kein Geld eingeplant ist, taucht dort also schlicht nicht auf.

Der Träger rechnet ohnehin anders. Sein Konzept sieht für die Koordination 39 statt 30 Wochenstunden vor. Der beigefügte Finanzierungsplan weist 68.000 Euro für die Koordination, 47.500 Euro für die Betreuungskraft, 18.660 Euro Verwaltungspauschale und 40.000 Euro Sachkosten aus, zusammen 174.160 Euro. Beantragt ist diese Summe vollständig als Förderung, Eigenmittel der Johanniter sind mit null angesetzt. Gegenüber den 135.000 Euro der Stadt sind das 39.160 Euro mehr (174.160 minus 135.000), rund 29 Prozent. Personal und Pauschale allein ergeben 134.160 Euro. Die 40.000 Euro Sachkosten kommen obendrauf.

Die Verwaltung hält das Vorhaben für eine sinnvolle Weiterentwicklung des Schulstandorts. Die Erfahrungen sollen später auf weitere Schulen übertragen werden. Zugleich wünscht sie sich vom Land eine Förderung nach nordrhein-westfälischem Vorbild. Zugesagt ist davon nichts.

Kritik

Ein Projekt, das jedes Jahr 135.000 bis 174.160 Euro kosten soll und später auf weitere Schulen ausgeweitet werden könnte, gehört nicht als „ohne finanzielle Auswirkungen“ in die Ratsunterlagen. Die Stadt hätte vor dem Start klären müssen, woher das Geld kommt und welche der beiden Summen gelten soll. Wer ein Pilotprojekt will, sollte es mit festem Kostendeckel, klaren Erfolgskriterien und einer gesicherten Finanzierung beginnen. Sonst entsteht eine Dauerausgabe, die später kaum noch zu stoppen ist.

1466-2026: , Ratsinformationssystem der Stadt Hannover, 26. August 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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