Humboldtschule: erst bauen, dann suchen
Hannover erhöht das Budget für ein Gymnasium um 19,66 Mio. Euro auf 67,03 Mio. Euro, ein Plus von gut 41 Prozent.
Was ist passiert?
Hannover (NI). Das Gymnasium Humboldtschule im Stadtbezirk Ricklingen braucht mehr Platz, weil das 13. Schuljahr (G9) zurückkehrt und eine Außenstelle geschlossen wird. Deshalb entstehen ein neuer Fachklassentrakt und eine Dreifeldsporthalle, und das Hauptgebäude von 1962 samt Aula wird saniert. Im Februar 2020 beschloss die Stadt dafür 47,37 Mio. Euro.
Inzwischen soll das Budget auf 67,03 Mio. Euro steigen. Das sind 19,66 Mio. Euro mehr. Stand Januar 2026 waren rund 29 Mio. Euro ausgegeben und weitere 8 Mio. Euro vertraglich gebunden. Die restlichen rund 10,3 Mio. Euro reichen nicht für die Fertigstellung.
Nach Darstellung der Verwaltung ist vor allem die Pandemie schuld. Nach dem Beschluss habe die Stadt einen Großteil der Bauverträge geschlossen, darunter den umfangreichen Rohbau. Dann durften die Kampfmittelsondierungen rund ein Jahr lang nicht stattfinden, weil Evakuierungen wegen der Corona-Regeln untersagt waren. Die Vertragstermine platzten, der Rohbau musste neu ausgeschrieben werden, und der Baupreisindex stieg um 50,2 Prozent. Allein die allgemeine Baupreissteigerung macht 13,49 Mio. Euro aus, also gut zwei Drittel der Mehrkosten (13,49 : 19,66).
Die verspätete Suche ergab dann mehrere Verdachtspunkte. Dafür waren über 3.000 zusätzliche Suchbohrungen nötig. Der aufgelockerte Boden verlangte Betonpfähle von rund 9 statt 5 Metern Länge. Sondierung und Gründung kosten zusammen 1,455 Mio. Euro (745.000 plus 710.000 Euro). Die Fertigstellung, einst für Herbst 2025 geplant, rückt weit nach hinten: Der zweite Bauabschnitt soll etwa sieben Monate nach dem Beschluss beginnen und rund 2,5 Jahre dauern.
Die Reserve von 15 Prozent hatte ausgereicht, um die üblichen 2 bis 3 Prozent Preissteigerung im Jahr abzufedern. Bei rund 41,2 Mio. Euro Kostenermittlung (39,18 plus 2,005 Mio. Euro) lag sie bei etwa 6,2 Mio. Euro. Die Mehrkosten sind mehr als dreimal so hoch. Hinzu kommen 924.000 Euro Folgekosten pro Jahr. Alle Ausschüsse stimmten einstimmig zu.
Kritik
Das Grundstück liegt nahe dem früheren Hanomag-Gelände, und die Stadt hielt eine Belastung mit Kampfmitteln selbst für nicht ausschließbar. Dennoch wurden die Bauverträge geschlossen, bevor der Untergrund geklärt war. Wer erst sondiert und dann den Rohbau vergibt, hätte die Tiefgründung gleich mitgeplant und die Verträge nicht wegen des Stillstands neu verhandeln müssen. Die Pandemie erklärt einen Teil der Verzögerung, aber nicht, warum der Rohbau vor der Suche feststand. Künftig sollte bei verdächtigen Standorten die Kampfmittelfreigabe vor der Vergabe der Bauleistungen stehen.
1027/2026: Gymnasium Humboldtschule, Teilsanierung Bestand und Erweiterung für G9, Budgeterhöhung, Ratsinformationssystem der Stadt Hannover, 20. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.