Staatsbilanz

Stadt/Hannover/Finanzrisiko

17 Millionen für die eigene Baufirma

Hannover vergibt 17,2 Millionen Euro Planungsaufträge für Schulen und Unterkünfte ohne Wettbewerb und ohne Preisgrenze an seine neue Tochterfirma

Was ist passiert?

Die Landeshauptstadt bewirtschaftet rund 1.000 Gebäude, von Schulen bis zu Unterkünften für Obdachlose und Geflüchtete. Jährlich fließen 120 bis 130 Mio. Euro in diese Bauten, für die nächsten zehn Jahre rechnet die Stadt mit einem Bedarf von rund 1,2 Mrd. Euro. Weil das Gebäudemanagement an seine Grenzen stoße, sollte eine eigene Hochbaugesellschaft helfen: die hanova KOMMUNAL GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Stadt.

Am 19.03.2026 stimmte der Rat mit 41 zu 20 Stimmen für die Gründung. Das Stammkapital beträgt 25.000 Euro. Zusätzlich wurden 5 Mio. Euro in die Kapitalrücklage gegeben, also das 200-Fache des Stammkapitals (5.000.000 geteilt durch 25.000). Die Verwaltung nennt das notwendig, damit die Gesellschaft nach der Gründung handlungsfähig sei. Für die Stadt fallen dafür Zinsaufwendungen von 201.000 Euro jährlich an, das sind 4 Prozent der eingesetzten 5,025 Mio. Euro.

Der größere Posten sind die Aufträge. Die Stadt darf der Tochter Planungsleistungen bis Leistungsphase 2 übertragen, also Grundlagenermittlung und Vorplanung. Das Volumen beträgt rund 17,2 Mio. Euro: etwa 10 Mio. Euro für drei große Schulprojekte (IGS Roderbruch, IGS Vahrenheide, Käthe-Kollwitz-Schule) und etwa 7,2 Mio. Euro für Unterkünfte. Eine Ausschreibung gibt es dafür nicht, die Vergabe läuft als Inhouse-Geschäft an die eigene Gesellschaft.

Höchstpreise sind ausdrücklich nicht vorgesehen. Abgerechnet werden soll nach dem Open-Book-Verfahren: Die GmbH legt ihre Kosten offen und erhält die nachgewiesenen Kosten zuzüglich vereinbarter Zuschläge. Die Verwaltung erwartet davon geringere Risikoaufschläge, als bei festen Obergrenzen eingepreist würden. Das ist ihre Rechnung. Die zugrunde liegenden Projektvolumina bezeichnet sie selbst als vorläufig, und die Preisregelung stand zum Beschluss noch unter juristischer und steuerlicher Prüfung, sodass sich der Rahmenvertrag noch ändern könne.

Kritik

Wer einem eigenen Unternehmen Millionenaufträge ohne Wettbewerb und ohne Höchstpreis gibt und nach Kosten plus Zuschlägen bezahlt, nimmt dem Auftragnehmer jeden Anreiz, sparsam zu planen. Das Risiko steigender Kosten trägt dann allein die Stadt und damit der Steuerzahler. Dazu kommt eine Rücklage von 5 Mio. Euro, die dem 200-Fachen des Stammkapitals entspricht und bei Zinsen von 201.000 Euro im Jahr dauerhaft Geld kostet. Sinnvoll wären ein fester Preisdeckel je Einzelauftrag, ein Anreiz zum Sparen und eine Rücklage, die sich an tatsächlich erteilten Aufträgen orientiert.

0079/2026: Gründung einer Hochbaugesellschaft: hanova KOMMUNAL GmbH, Ratsinformationssystem der Stadt Hannover, 14. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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