Kunstrasen für 3 Vereine unter Wasser
Hannover prüfte erst nach dem Aufruf: 3 von 12 Bewerbern liegen im Hochwassergebiet, wo Kunstrasen bei Flut zerstört wird, obwohl das seit 2022 bekannt war
Was ist passiert?
Im Winter sind viele Naturrasenplätze kaum bespielbar, die Vereine haben dann zu wenig Trainingszeiten. Deshalb baut die Landeshauptstadt Kunststoffrasenplätze, die ganzjährig nutzbar sind. Wer einen Platz bekommt, entscheidet kein Zufall, sondern ein Bewerbungsverfahren in Runden. Im September 2025 forderte die Stadt alle Sportvereine zur Bewerbung in der dritten Runde auf. Zwölf Vereine lieferten die geforderten Angaben, von Mitgliederzahlen bis zu schriftlichen Kooperationen.
Erst bei der Auswertung fiel auf, dass drei davon nie eine Chance hatten: Der Hannoversche Sportverein, der TSV Ricklingen und der FV Linden liegen im Überschwemmungsgebiet. Nach dem eigenen Konzept der Stadt ist das ein Ausschlusskriterium, denn Hochwasser führe in der Regel zu einem Totalschaden des Kunststoffrasens. Neu war die Lage allerdings nicht. Schon 2022 hatte der Landesbetrieb NLWKN aktualisierte Berechnungen vorgelegt, und Anlagen, die in der zweiten Runde noch als hochwasserfrei galten, wurden erneut als Überschwemmungsgebiet festgesetzt. Zwischen dieser Festsetzung und dem Aufruf von 2025 lagen also rund drei Jahre. Die Stadt spricht von „veränderten Rahmenbedingungen“ und räumt ein, die Änderung sei „erst im Zuge der Auswertung“ festgestellt worden.
Die drei Ausgeschlossenen tauchen in der Bewertungstabelle trotzdem auf, angeblich, um die Entscheidungsgrundlage „vollständig und transparent“ darzustellen. Bewertet wurden letztlich neun Bewerbungen. Zum Zug kommen der TSV Fortuna Sachsenross, gemeinsam mit dem 1. Frauenfußball-Club Hannover, und der TSV Limmer.
Für die Runde sind im Doppelhaushalt 2025/26 eine Million Euro veranschlagt, für 2027 und 2028 jeweils eine weitere. Das ergibt drei Millionen Euro. Ein Platz kostet derzeit im Schnitt etwa 1,2 Millionen Euro, für zwei Plätze sind es also rund 2,4 Millionen Euro. Die tatsächlichen Kosten sollen erst nach der Planung feststehen.
Kritik
Ein Programm, das Plätze im Überschwemmungsgebiet ausdrücklich ausschließt, muss diese Prüfung vor dem Aufruf erledigen und nicht danach. Die neuen Berechnungen lagen seit 2022 vor, hätten also längst in die Ausschreibung einfließen können. So wurden Vereine zu Bewerbungen ermuntert, die jede vierte Einsendung der Runde wertlos machten, und die Verwaltung bewertete Unterlagen, die sie nie hätte anfordern müssen. Ein kurzer Abgleich der Standorte mit der Hochwasserkarte hätte genügt, um Vereinen und Verwaltung diesen Aufwand zu ersparen.
0240/2026: Umsetzung des Kunststoffrasenplatzprogramms: 3. Bewerbungsrunde, Ratsinformationssystem der Stadt Hannover, 9. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.