Staatsbilanz

Stadt/Hannover/Kostensteigerung

Hannover: 3,93 Millionen für eine Notlösung

Hannover baut die Nachmittagsbetreuung an 14 Grundschulen von 1,07 auf 3,93 Mio. Euro im Jahr aus, dabei sollte sie 2013 nur kurz helfen

Was ist passiert?

Hannover (NI). Von den 62 Grundschulen der Landeshauptstadt arbeiten 48 im Ganztag, 14 noch nicht. Damit Eltern dort trotzdem eine Nachmittagsbetreuung finden, richtete die Stadt 2013 den sogenannten „Feuerwehrtopf“ ein. Er sollte eine Übergangslösung sein und enden, sobald die jeweilige Schule auf Ganztag umstellt.

Aus dem Übergang ist ein Dauerzustand geworden. Laut Anlage bestehen einzelne Angebote schon seit 1998 oder 1999, und bei neun Schulen, die den Ganztag wollen, ist der Start nicht einmal in der Investitionsplanung terminiert. Trotzdem soll das Provisorium zum Schuljahr 2026/27 von 475 auf 975 Plätze mehr als verdoppelt werden. Der Jahresbedarf steigt von 1.067.000 Euro auf 3.667.000 Euro, dazu kommen 266.760 Euro Essenszuschuss, zusammen rund 3,93 Mio. Euro. Je Platz sind das künftig rund 4.000 Euro (3.933.760 : 975) statt gut 2.200 Euro (1.067.000 : 475).

Die Stadt begründet das mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, der ab 2026/27 stufenweise gilt und ab August 2029 alle Klassen 1 bis 4 erfasst. Zudem solle die Betreuung qualitativ aufgewertet werden. Als Zeichen der Aufwertung wird der Feuerwehrtopf in „GanztagsBrückenHannover“ umgetauft. Eine Brücke, deren anderes Ufer für viele Schulen noch keinen Termin hat, bekommt damit immerhin einen neuen Namen.

Für das Mittagessen fehlen an den Schulen zusätzliche Flächen. Dafür sollen Container aufgestellt oder Räume angemietet werden. Was das kostet, steht nicht in den 3,93 Mio. Euro, die Preise sollen erst je Standort ermittelt werden.

Gegenfinanziert werden soll der Ausbau ausgerechnet im Ganztag. Der Betreuungsschlüssel in der Früh- und Spätbetreuung der Ganztagsgrundschulen soll von 2:25 auf 1:15 sinken (680.000 Euro). Ab 2027/28 sollen Eltern 6,50 Euro im Monat über neun Monate zahlen, also 58,50 Euro im Jahr (619.000 Euro). Dazu kommen bis zu 620.000 Euro vom Land, die bis 2029/30 ansteigen. Zusammen sind das 1.919.000 Euro gegenüber 2.866.760 Euro Mehrbedarf, es bleiben rund 950.000 Euro jährlich ungedeckt. Ob die Vorlage beschlossen wurde, ist nach dem Stand von Mai 2026 offen.

Kritik

Wer ein Provisorium verdoppelt, verlängert es in der Praxis. Die Stadt bezahlt den Ausbau der Übergangslösung mit schlechterer Betreuung in den Ganztagsschulen, die doch das eigentliche Ziel sind, und mit neuen Elternbeiträgen. Container und Mieten für Räume, die nur bis zum Ganztagsstart gebraucht werden, binden zusätzlich Geld, das im Dauerbau fehlt. Statt die Brücke komfortabler zu machen, hätte die Stadt den Umbau der übrigen Schulen zum Ganztag vorziehen müssen.

2724/2025: Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Grundschulkinderbetreuung, Ratsinformationssystem der Stadt Hannover, 25. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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