1,75 Millionen Euro für Plätze in Bergheim
Heidelberg baut zwei Grünflächen um und streicht rund 42 Parkplätze, obwohl der Verkehr dort noch gar nicht geplant ist
Was ist passiert?
Im Heidelberger Stadtteil Bergheim entsteht an der Ernst-Walz-Brücke eine Flusswärmepumpe. Dafür wird die Grünfläche „westliches Kleeblatt“ als Baufläche gebraucht und soll danach neu gestaltet werden. Gleich nebenan liegt der Alfons-Beil-Platz südlich der Kirche St. Albert: von großen Bäumen geprägt, aber bislang vor allem Parkplatz. Die Stadt will beide Flächen aufwerten, mit Sitzstufen, Baumbeeten, Spielskulptur, einer „Bergheimer Bank“ und einem Kunstobjekt am Platzzugang.
Die Kosten dafür schätzt die Verwaltung auf rund 850.000 Euro für das Kleeblatt und rund 900.000 Euro für den Platz, zusammen 1,75 Mio. Euro. Dazu kommen etwa 80.000 Euro für die weitere Planung, also gut 4,5 Prozent der Bausumme (80.000 : 1.750.000). Die endgültigen Kosten würden „höher ausfallen“, räumt die Vorlage selbst ein.
Der Haken steckt in den Rändern der Entwürfe. Die Verwaltung gibt zu, dass der Freiraumplanung keine konkrete Verkehrsplanung zugrunde liegt. Für die Vangerowstraße gibt es nur eine Ideenskizze mit „verkehrsplanerischen Defiziten“, den Platz nennt ein Planer eine „Vision“. Sie lasse sich nur umsetzen, wenn der Klimamobilitätsplan die Verkehrsführung ändert. Von 39 Stellplätzen am Platz sollen 10 bleiben, in der Vangerowstraße etwa die Hälfte von 26. Das wären rund 42 Stellplätze weniger. Eine Bilanz für ganz Bergheim lag nicht vor.
Die Bank allein soll je nach Ausführung zwischen 5.000 und 55.000 Euro kosten, das Elffache des unteren Werts. Der Gemeinderat stimmte am 16. April 2026 zu, nahm aber die östliche Platzgestaltung aus und verlangte eine Planung, die die Rechtsabbiegespur erhält. Der Platz soll abschnittsweise über künftige Doppelhaushalte entstehen, das Kleeblatt 2030.
Kritik
Eine Stadt sollte erst klären, wie der Verkehr künftig fließt, und dann den Platz dazu entwerfen. Hier wurde die Reihenfolge umgedreht, und die Verwaltung räumt selbst ein, dass wichtige Teile des Entwurfs auf unsicherem Grund stehen. Weitere Planungsmittel hätten erst fließen dürfen, wenn Verkehrsführung, Stellplatzbilanz und Kostenrahmen feststehen. Sonst droht, dass Teile der bezahlten Planung überarbeitet oder verworfen werden müssen.
0032/2026/BV: Freiraumplanungen westliches Kleeblatt im Umfeld Flusswärmepumpe und Alfons-Beil-Platz, Ratsinformationssystem der Stadt Heidelberg, 25. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.