5,6 Millionen Euro für 17 Toiletten
Heidelberg übernimmt 17 öffentliche Toiletten, die in zehn Jahren 5,6 Millionen Euro Betrieb kosten, im Haushalt ist dafür nichts eingeplant
Was ist passiert?
In der Stadt gibt es 28 öffentliche Toilettenanlagen. Elf davon betreut bereits die städtische Abfallwirtschaft, Stadtreinigung und Zentralwerkstätten (ASZ). Die übrigen 17 verwaltet die Firma Ströer, und zwar im Rahmen eines Werbeanlagenvertrags aus dem Jahr 2012, der Werbeflächen und Toiletten zu einem Paket verschnürt. Der Vertrag läuft am 31. Dezember 2026 aus, und aus rechtlichen Gründen darf diese Verknüpfung künftig nicht mehr bestehen.
Damit begann das Rechnen. Neun der 17 Anlagen gehören schon der Stadt. Die anderen acht hat Ströer selbst gebaut, und das Unternehmen würde sie zurückbauen, wenn die Stadt sie nicht kauft. Die Verwaltung entschied sich zum Kauf für 200.000 Euro, das sind 25.000 Euro je Anlage (200.000 Euro geteilt durch acht). Die Preisverhandlungen hatten 2025 begonnen und wurden erst 2026 abgeschlossen, zu spät für den Nachtragshaushalt. Die Summe musste deshalb außerplanmäßig bereitgestellt werden. Gedeckt wird sie aus Mehreinnahmen, die der ASZ aus dem Verkauf von Gebäuden an den Zweckverband BioEnergie zufließen.
Der eigentliche Posten kommt danach. Ab dem 1. Januar 2027 ist die ASZ für alle 17 Anlagen zuständig. Reinigung, Instandhaltung und Energie sollen je Anlage 33.000 Euro im Jahr kosten, zusammen also rund 561.000 Euro (17 mal 33.000 Euro). Schon die Betriebskosten eines einzigen Jahres liegen damit über dem Kaufpreis einer Anlage (33.000 gegen 25.000 Euro). Über zehn Jahre summieren sich die Betriebskosten auf gut 5,6 Mio. Euro. Im Haushalt stehen diese Mittel bislang nicht. Sie sollen in der anstehenden Haushaltsplanung bereitgestellt werden.
Der Haupt- und Finanzausschuss stimmte dem Kauf am 20. Mai 2026 einstimmig zu. Wo die acht Anlagen stehen, wusste er dabei nicht: Die Standorte sagte die ASZ-Leiterin erst auf Nachfrage zu, schriftlich nachzureichen.
Kritik
Das Ende des Ströer-Vertrags stand seit 2012 mit Datum fest, trotzdem wurde der Ankauf erst so spät verhandelt, dass er nicht mehr in den Haushalt passte. Wer Anlagen übernimmt, die jährlich mehr Betrieb kosten, als sie in der Anschaffung wert sind, muss die Folgekosten von Anfang an in die Planung einstellen. Mit rund 561.000 Euro im Jahr geht es um eine dauerhafte Belastung, nicht um den einmaligen Kaufpreis. Dass der Ausschuss zustimmte, bevor die Standorte der gekauften Anlagen auf dem Tisch lagen, zeigt, wie sehr die Zeit drängte. Die Stadt hätte lange vor dem Vertragsende wissen müssen, was sie übernehmen will und was es kosten darf.
0088/2026/BV: Kauf (Übernahme) der Toilettenanlagen aus dem Werbeanlagenvertrag mit der Firma Ströer, Ratsinformationssystem der Stadt Heidelberg, 20. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.