921.000 Euro extra für die Volkshochschule
Heidelberg gleicht die Verluste seiner Volkshochschule seit Jahren aus, obwohl die Stadt ohnehin 1,7 Millionen Euro im Jahr zahlt
Was ist passiert?
Die Volkshochschule Heidelberg e.V. bietet Kurse und Bildungsangebote für die Stadt an. Dafür erhält sie von der Stadt jedes Jahr einen institutionellen Zuschuss von rund 1,7 Mio. Euro. Er soll den Betrieb sichern. Reicht er nicht, springt die Stadt zusätzlich ein.
So auch jetzt: Der Gemeinderat soll einen Sonderzuschuss von 96.000 Euro bewilligen, um den Jahresfehlbetrag 2024 auszugleichen. Der Verein hatte ihn am 8. Januar 2026 beantragt. Es wäre nicht das erste Mal. Für die Fehlbeträge der Jahre 2019 bis 2023 hat der Gemeinderat in den Haushaltsjahren 2020 bis 2025 bereits 825.000 Euro an Sonderzuschüssen bereitgestellt, im Schnitt 165.000 Euro je ausgeglichenem Geschäftsjahr (825.000 : 5). Mit den neuen 96.000 Euro summiert sich der Betrag auf 921.000 Euro. Das entspricht gut der Hälfte eines vollen Jahreszuschusses (921.000 : 1,7 Mio. ≈ 54 Prozent).
Die Verluste hatten zunächst das Eigenkapital des Vereins aufgezehrt, seither gleicht die Stadt sie aus. Als Gegenmittel ließ sie eine externe Organisationsanalyse der CAPAX Managementberatung GmbH erstellen und bezahlte sie auch. In den ersten Jahren danach hätten die Maßnahmen dem Haushalt der VHS spürbar geholfen, so die Verwaltung. Dann stieg das Defizit wieder. Schon 2025 musste die Verwaltung einräumen, dass die Maßnahmen auf Dauer zu keinem positiven Jahresergebnis geführt haben. Daran sollen auch die vom Gemeinderat geforderte Kündigung der Unterrichtsräume in der Maaßstraße Ende 2025 und weitere Gespräche mit der Stadt nichts ändern. Die Verwaltung erwartet voraussichtlich auch in den kommenden Jahren kein positives Ergebnis.
Warum die Stadt dennoch zahlen soll? Um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Das Geld ist im Haushaltsplan 2026 des Amtes für Schule und Bildung bereits eingeplant. Der Gemeinderat soll am 16. April 2026 entscheiden.
Kritik
Wer ein Defizit Jahr für Jahr ausgleicht, obwohl die eigene Verwaltung keine Besserung erwartet, bezahlt den Fehlbetrag, statt ihn zu beseitigen. Aus dem gedachten Notbehelf ist längst ein zweiter, unplanmäßiger Zuschuss geworden. Die Stadt sollte weitere Hilfen an verbindliche Sparziele mit klaren Fristen knüpfen und offen entscheiden, welches Angebot sie sich dauerhaft leisten will. Sonst bleibt der Sonderzuschuss ein Dauerzuschuss, nur mit anderem Namen.
0051/2026/BV Volkshochschule Heidelberg e.V. Gewährung eines Sonderzuschusses in 2026 (Ausgleich des Jahresfehlbetrags 2024) in Höhe von 96.000 Euro, Ratsinformationssystem der Stadt Heidelberg, 25. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.