921.000 Euro für die Heidelberger VHS
Heidelberg gleicht seit 2019 die Verluste seiner Volkshochschule aus, zuletzt mit 96.000 Euro, obwohl die Stadt weitere Verluste erwartet
Was ist passiert?
Die Volkshochschule Heidelberg ist ein eingetragener Verein, der Kurse und Weiterbildung anbietet. Die Stadt unterstützt ihn jedes Jahr mit einem institutionellen Zuschuss von rund 1,7 Mio. Euro. Das reicht aber nicht: Die Jahresfehlbeträge haben zunächst das Eigenkapital aufgezehrt, und seit 2019 gleicht die Stadt sie zusätzlich aus.
Für die Fehlbeträge der Geschäftsjahre 2019 bis 2023 stellte der Gemeinderat in den Haushaltsjahren 2020 bis 2025 Sonderzuschüsse von zusammen 825.000 Euro bereit. Nun kamen weitere 96.000 Euro für das Defizit des Jahres 2024 hinzu. Am 16. April 2026 beschloss der Gemeinderat sie einstimmig, nachdem zuvor schon der Ausschuss für Kultur und Bildung und der Haupt- und Finanzausschuss einstimmig zugestimmt hatten. Zusammen sind das 921.000 Euro für sechs Verlustjahre, im Schnitt rund 153.500 Euro pro Jahr (921.000 Euro geteilt durch sechs). Offizieller Zweck ist es, eine drohende Insolvenz der VHS abzuwenden.
Dabei hatte die Stadt schon einmal gegengesteuert. Eine externe Organisationsanalyse der CAPAX Managementberatung GmbH, von der Stadt selbst finanziert, wirkte in den ersten Jahren danach tatsächlich positiv auf den Haushalt der VHS. Dann stieg das Defizit wieder. Schon 2025 musste die Verwaltung feststellen, dass die Maßnahmen langfristig nicht zu einem positiven Jahresergebnis geführt haben. Daran sollen nach ihrer Einschätzung auch die Kündigung der Unterrichtsräume in der Maaßstraße Ende 2025, die der Gemeinderat gefordert hatte, und weitere Gespräche über Sparmaßnahmen voraussichtlich nichts ändern.
Die Stadt gleicht also einen Verlust aus, von dem sie selbst erwartet, dass er auch in den kommenden Jahren wiederkehrt.
Kritik
Wer Jahr für Jahr Fehlbeträge ausgleicht und zugleich einräumt, dass die Gegenmaßnahmen nicht greifen, finanziert das Problem, statt es zu lösen. Sonderzuschüsse, die zum Dauerzustand werden, verschleiern den tatsächlichen Zuschussbedarf der VHS. Die Stadt sollte weitere Zahlungen an verbindliche Sparziele und feste Fristen knüpfen. Entweder müssen Angebot und Kosten so angepasst werden, dass der reguläre Zuschuss von rund 1,7 Mio. Euro genügt, oder der höhere Bedarf muss offen im regulären Zuschuss ausgewiesen werden.
0051/2026/BV: Volkshochschule Heidelberg e.V., Ratsinformationssystem der Stadt Heidelberg, 19. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.