Alte Brücke in Heidelberg wird 14,5 Millionen teurer
Heidelberg saniert die Montpellierbrücke für 37 statt 22,5 Millionen Euro, weil die Pläne von 1974 nicht stimmten und der Zustand schlechter war
Was ist passiert?
Die Montpellierbrücke zählt zu den meistbefahrenen Verbindungen der Heidelberger Innenstadt. Sie führt über Gleise der Deutschen Bahn, darauf verläuft zudem eine Straßenbahntrasse. Die Brücke stammt aus dem Jahr 1974 und sollte ab Dezember 2022 instand gesetzt und verstärkt werden. Der Gemeinderat genehmigte dafür im Dezember 2021 Kosten von 22,5 Mio. Euro.
Dann begann die Brücke, ihre Geheimnisse preiszugeben. Unter der Asphaltdecke war die Abdichtung unterläufig, Wasser hatte über Jahrzehnte den tragenden Beton angegriffen. Statt einer neuen Deckschicht musste der gesamte Fahrbahnaufbau abgetragen werden. In den Hohlkästen war der Beton in weitaus schlechterem Zustand als prognostiziert. Und die Originalpläne von 1974 stimmten an entscheidenden Stellen nicht mit dem gebauten Bauwerk überein: Spannglieder lagen woanders als verzeichnet. Der geplante Sägeschnitt hätte sie zerstört, also wurde auf rund 1.000 Metern mit Hochdruckwasserstrahl abgetragen. Etwa 530 Spanngliedköpfe mussten zusätzlich gesichert werden. Eine Signalbrücke hing entgegen den Plänen nur an der Außenkappe und musste ersetzt werden.
Hinzu kamen zusätzliche Spannglieder, für die auf rund 30 Metern das Straßenbahngleis aus- und wieder eingebaut wurde. Weil Sperrpausen der Bahn knapp waren und verschoben wurden, fielen Vorhaltezeiten von über einem Jahr an. Außerdem wurden nach der Genehmigung die Ziele für Radverkehr und Barrierefreiheit erweitert, was neue Geländer, Übergangskonstruktionen und Kappen nach sich zog.
Die Kostenprognose liegt nun bei 37 Mio. Euro, Mehrkosten also 14,5 Mio. Euro. Bis 2024 waren davon bereits 5,4 Mio. Euro angefallen. Sie wurden durch zeitliche Verschiebungen bei anderen Projekten gedeckt. Der Gemeinderat beschloss die Erhöhung erst am 11. Juni 2026, kurz vor Bauende. Die Landesförderung beträgt 11,05 Mio. Euro. Der städtische Anteil steigt damit von rund 11,45 auf rund 25,95 Mio. Euro (22,5 minus 11,05 gegenüber 37 minus 11,05) und damit auf mehr als das Doppelte. Die Verwaltung führt das auf das Bauen im Bestand zurück, ein Risiko, das es bei jeder Brückensanierung gibt.
Kritik
Wer eine Brücke saniert, deren Pläne 50 Jahre alt sind, muss den tatsächlichen Zustand vor der Kostenfestlegung gründlich erkunden. Die Annahme, nur die oberste Asphaltschicht erneuern zu müssen, war offensichtlich zu optimistisch. Die Ziele für Radverkehr und Barrierefreiheit gehören in die Planung vor dem Baubeschluss und nicht in den laufenden Bau, wo sie jede Änderung teuer machen. Dass 5,4 Mio. Euro Mehrkosten zunächst durch Verschiebungen aus anderen Projekten gedeckt wurden und der Gemeinderat erst kurz vor der Fertigstellung entschied, nahm ihm die Möglichkeit, noch gegenzusteuern.
0061/2026/BV: Instandsetzung und Verstärkung der Montpellierbrücke Heidelberg Hier: Maßnahmeerhöhung, Ratsinformationssystem der Stadt Heidelberg, 5. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.